#4 "Scheinwelt" Schule - Ein ehrlicher Blick hinter die Fassade

Shownotes

In dieser Folge werfe ich einen Blick hinter die Fassade des Schulsystems. An 5 Beispielen (Klassenräume, Digitalisierung, Außenwirkung und Elternarbeit, Menschen im System und Inklusion) erzähle ich, warum ich Schule an vielerlei Stelle für eine Scheinwelt halte und warum die Veränderung des Schulsystems meiner Meinung nach so langsam voranschreitet.

"Veränderung beginnt da, wo die Fassade bröckelt!"

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00:00:00: Was bewirkt es, wenn Schulen auf Biegen und Brechen versuchen, diese Außenwirkung so gut wie möglich darzustellen?

00:00:06: Dann passiert das, was jetzt gerade passiert.

00:00:08: Niemand bekommt mit, was hinter den Schulgebäuden tatsächlich los ist.

00:00:17: Es war einmal eine Lehrerin, ein Podcast über Wartgeschichten aus dem Schulalltag, ein reformgedürftiges Schulsystem und einen Blick hinter die Kulissen.

00:00:40: Lüchen, ja.

00:00:42: Schön, dass du heute eingeschaltet hast, auch wenn dich die Adventszeit, die... Ach ja, ach so besinnliche Weihnachtszeiten in der Schule, ganz sicher, fest im Griff hat.

00:00:53: Sag mal, hast du das Theaterstück schon stehen für die Adventsfeier kurz vor Weihnachten?

00:00:59: Ist du alle Kostüme dafür besorgt, natürlich vom eigenen Geld bezahlt?

00:01:03: Sind die Eltern-Sprechtage gut gelaufen?

00:01:05: Die waren ja jetzt, glaube ich, auch an den meisten Schulen.

00:01:08: Ich hoffe, alle Eltern sind richtig zufrieden.

00:01:11: Habt ihr das Schulgebäude schon schön geschmückt?

00:01:13: Was haben denn die Kinder gesagt zu den ersten Päckchen aus dem Adventskalender?

00:01:17: Den hast du ganz bestimmt letzte Woche noch abends vom Fernseher gepackt, oder?

00:01:22: Gib's zu.

00:01:22: Vielleicht ahnst du an dieser Stelle schon, worauf es in dieser Folge hinauslaufen soll.

00:01:28: Ein bisschen provokativ gesprochen.

00:01:30: Ich werde heute mal einen Blick hinter die mit... Lichterketten, beleuchtete Fassade des Schulsystems werfen und den einen oder anderen von euch vielleicht jetzt zum Ende des Jahres ein bisschen zum Nachdenken bringen.

00:01:43: Ich begebe mich heute etwas aufs Glatteis und werde mal darüber sprechen, warum Schule für mich eine Art Fake Welt, Scheinwelt darstellt und warum das, was Eltern, die Politik und auch die Öffentlichkeit sehen, oftmals einfach überhaupt nicht der Wahrheit entspricht.

00:01:58: Gerade jetzt zur Weihnachtszeit wirkt Schule doch wirklich perfekt.

00:02:02: Es werden Weihnachtslieder gesungen, es werden Plätzchen gebacken, im Kunstunterricht oder am Basteltag werden Sachen gebastelt, die werden dann in der Aula ausgestellt.

00:02:10: Die Eltern bestaunen die dann ganz stolz, wenn dann die Weihnachtsaufführung kurz vor den Ferien stattfindet.

00:02:16: Die läuft übrigens auch perfekt ab und von außen wirkt Schule dann einfach, ja, wie so eine gut geölte Maschine, würde ich sagen.

00:02:23: Alle Zahnräder greifen ineinander, es quetscht nichts, es zwackt nichts.

00:02:28: Woher kommt diese Außenwirkung?

00:02:30: Also warum wiegt es so, als wäre in Schule immer alles Friede, Freude, Eierkuchen?

00:02:36: Die Antwort ist eigentlich ziemlich klar.

00:02:39: Weil es erstens Menschen gibt, die in Schule tagtäglich über ihre Kapazitäten arbeiten, um diesen, ja, ich sag mal, diesen Schein, dieses Wunschdenken aufrecht zu erhalten.

00:02:49: Und zweitens genau diese Menschen von rechts wegen her gar nicht nach außen erzählen dürfen, was innerhalb des Systems tatsächlich passiert.

00:02:57: Schule funktioniert nicht, weil das System funktioniert.

00:03:00: Schule funktioniert nur, weil es Menschen darin gibt, die super kreativ sind, die ihre komplette Freizeit, ihrem Job sozusagen hingeben, die ein wahnsinnig großes Herz haben, die super viele Überstunden leisten und die eigentlich das komplette System am Laufen halten.

00:03:16: Wie komme ich darauf, dass Schule eine Scheinwelt ist?

00:03:19: Lasst mich das mal an fünf Beispielen durchspielen.

00:03:26: Beispiel eins, Klassenräume.

00:03:29: Seid ihr in letzter Zeit mal auf verschiedenen Lehrerseiten durch Instagram gescrollt, also da begegnen euch sofort perfekt eingerichtete Klassenräume.

00:03:40: Da sind Smartboards an den Wänden, da sind wunderschöne Leseecken mit Kissen und Teppichen und Büchern, es gibt fest installierte Sitzkreise vor den Tafeln, es gibt Lernbüros und in ganz vielen Klassen ist momentan auch der Wichtel eingezogen.

00:03:55: Draußen ist es kalt, in vielen Klassen gibt es jetzt Tee nach den Pausen, die Fenster sind total toll geschmückt, es gibt Adventskalender an den Wänden.

00:04:04: Ja, wisst ihr, wer diese Atmosphäre geschaffen hat, wer die Kissen und Bücher für die Leseecke besorgt hat, wer das Bastelmaterial für die Fenster bezahlt hat, wer die Teebeutel kauft, wer Wichtelsachen oder die Adventskalendertüden noch abends vom Fernseher vorbereitet und fertig gepackt hat, wer Vielleicht sogar teilweise, da findet ihr euch vielleicht selber auch drin wieder, am Wochenende mit seinem Partner Holzbänke für den Sitzkreis zusammengezimmert hat.

00:04:36: Wer Löcher gestopft hat, wer Wände gestrichen hat, wer hat das alles gemacht, damit die Kinder in einer Umgebung lernen, in der sie sich wohlfühlen.

00:04:43: Tja, das waren die Lehrer und zwar in ihrer Freizeit, bezahlt vom eigenen Geld.

00:04:49: Und wenn man mal ehrlich ist, teilweise sogar illegal, weil nicht brandschutzkonform.

00:04:54: Was wäre denn, wenn Lehrer ihre Klassenräume nicht mehr vom eigenen Geld einräumen würden?

00:04:59: Also ich sag mal so, es wird ja auch von niemandem erwartet, aber man macht es ja trotzdem.

00:05:04: Was wäre denn, wenn es in Schule keine bunten Bilder mehr geben würde, weil Lehrkräfte sich einfach weigern, das Bastelmaterial zu kaufen, kann dann überhaupt noch Kunstunterricht stattfinden?

00:05:13: Was wäre, wenn ich zum Beispiel Sitzkreise einfach aus meinem Alltag streiche, weil ich gar keinen Platz mehr in meiner Klasse hab, wenn ich da über dreißig Kinder teilweise in winzigen Räumen auf einem Fleck sitzen hab.

00:05:26: Ja, was wär dann?

00:05:27: Ein zweites Beispiel für die Scheinweltschule ist das Thema Digitalisierung.

00:05:33: Durch den Digitalpakt eins.null wollen in den letzten fünf Jahren, also von zwei tausend neunzen bis zwei tausend vierundzwanzig, ganz ganz viele Schulen und Klassenzimmer digital ausgestattet.

00:05:43: Also das heißt, dass die alten Kreidetafeln ausgetauscht wurden und in den meisten Klassen findet man jetzt Smartboards.

00:05:49: Schulen, die noch kein WLAN hatten, sollen jetzt WLAN haben.

00:05:53: Es wurden Schüler-Tablets angeschafft, mal mehr und mal weniger.

00:05:57: Und auch viele Lehrer haben endlich nach Jahren mal Dienstgeräte bekommen.

00:06:02: Eigentlich klingt das ziemlich verlockend, oder?

00:06:04: Wenn das mal alles so der Realität entsprechen würde.

00:06:08: Viele Lehrkräfte haben, glaube ich, gar nicht mitbekommen, welche Arbeit es für das Schulleitungsteam war und auch für den Schulträger überhaupt erst mal das Geld aus diesem Digitalpakt an die Schule zu holen, also damit überhaupt mal erst diese ganzen Endgeräte angeschafft werden können.

00:06:23: Da musste erst mal ein... Konzept aufgestellt werden, seitenlang hochbürokratisch, in welchem der Bedarf kleinschrittig aufgedröselt werden musste.

00:06:34: Also warum brauchen wir gerade an der Schule Tablets?

00:06:36: Warum brauchen wir Smartboards?

00:06:37: Warum brauchen die Lehrer Laptops?

00:06:40: Und dann hat das ganze, ja ganz Deutschland-Like auch nur ein paar Monate gedauert und dann fing es irgendwann an, dass die ersten Tafeln ausgetauscht wurden.

00:06:50: Ja, und dann mussten die Schulen sich darum kümmern, dass man Schulungen bekommt, damit man überhaupt erst mal versteht, wie diese ganzen Tafeln funktionieren.

00:06:57: Dann musste ein Digitalisierungsbeauftragter an der Schule gefunden werden, der die ganze Digitalisierung natürlich auch im Blick behält, der sich um die Tablets kümmert, um die Dienstgeräte, um Datenschutz, um WLAN.

00:07:10: Und jetzt glaubt man nicht, dass das irgendeiner war, der von außen an die Schule geholt wurde, ein ausgebildeter IT-ler.

00:07:17: Nein, nein, nein, nein, nein.

00:07:19: Das war eine Lehrkraft aus dem eigenen Kreis.

00:07:22: Und glaubt ihr wirklich, dass der dafür eine Ermäßigungsstunde bekommen hat?

00:07:26: Das glaubt ihr doch wohl selber nicht.

00:07:27: Also diese Person muss bis heute wahrscheinlich seine ganz normale Unterrichtsstunde machen und darf sich täglich darum kümmern, dass da irgendwelche Apps auf die Tablets kommen und gelöscht werden.

00:07:37: Und dass auch ja der Datenschutz eingehalten wird.

00:07:39: Ja, wunderbar.

00:07:41: Krandiose Aufgabe.

00:07:43: Witzig ist ja auch, dass die angeschafften Dienstgeräte für Lehrer, also Laptops und vorrangig vor allem Tablets, teilweise von den Hellkräften gar nicht genutzt werden können.

00:07:53: Ja, das ist wirklich so.

00:07:55: Weil entweder besteht zum Beispiel gar keine Erlaubnis, dass man sich selber irgendwie was runterladen darf oder was abspeichern darf, weil es ja einfach vom Administrator nicht erlaubt wird, weil es nicht im Datenschutz entspricht, weil alles irgendwie in einer Cloud gespeichert werden muss, die aber in vielen Schulen einfach gar nicht existiert oder weil die Cloud ständig abstürzt.

00:08:17: Also bei mir war das tatsächlich so, ich hatte ein Tablet und gelogen und das lag über ein Jahr hier in meiner Schublade, weil ich es nicht benutzen konnte für den Zweck, den ich eigentlich brauchte.

00:08:29: Überlegt mal ehrlich, wie oft musstet ihr schon euren eigenen Unterricht gefühlt von einer Minute auf die andere umplanen, weil sich das Smartboard oder die Schüler Tablets irgendwie nicht mit den WLAN verbunden haben?

00:08:41: Oder wie viele Tablets habt ihr tatsächlich zur Verfügung?

00:08:44: Also es gibt Schulen, die haben Tablets.

00:08:46: für jedes Kind.

00:08:47: Und dann gibt es Schulen mit über dreihundert, vierhundert Schülern.

00:08:51: Die haben dann einen Tablet-Koffer mit zwanzig Tablets.

00:08:54: Ja, und dann muss man sich halt irgendwie absprechen.

00:08:57: Eine Frage, die jetzt nach ein paar Jahren auch ganz plötzlich aufploppt.

00:09:01: Oh, Wunder!

00:09:03: Was passiert denn mit den Tablets jetzt nach ein paar Jahren, die ihren Geist aufgeben, weil die Akkus langsam nicht mehr funktionieren?

00:09:12: Tja!

00:09:13: Ich finde es dann immer so witzig, wenn man das bei eigentlich nicht witzig, aber irgendwie schon.

00:09:18: Wenn man das bei Referendaren mitbekommt, die am nächsten Tag zum Beispiel ein Unterrichtsbesuch haben und dann abends noch extra in die Schule fahren, um alles vorzubereiten und um das Smartboard einmal auszuprobieren, ob es denn auch tatsächlich funktioniert.

00:09:32: Und dann funktioniert alles einwandfrei und das ist super.

00:09:34: Und die gehen ruhig schlafen und am nächsten Morgen funktioniert gar nichts mehr.

00:09:38: Der Bildschirm bleibt schwarz, die Datei kann nicht abgespielt werden.

00:09:41: Es ist wirklich der Wahnsinn.

00:09:43: Also, ich glaube, jeder von euch hat so eine Story zu erzählen.

00:09:46: Ein weiteres Beispiel für Schule-Gleich-Scheinwelt ist die Außenwirkung.

00:09:51: Also, Schulen wollen natürlich nach außen eine gute Wirkung haben.

00:09:56: Keine Schulleitung möchte, dass im Dorf oder im Stadtwirkel, wo die Schule steht, darüber gesprochen wird, dass es an der, keine Ahnung, XY-Schule, da geht es ja drunter und drüber.

00:10:06: Also da würde ich mir wirklich gut überlegen, ob ich meinen Kind da einschulen würde.

00:10:10: Man hört ja wirklich das und das und das, kennen wir alle.

00:10:14: Doch was bewirkt das, wenn Schulen auf Biegen und Brechen versuchen, diese Außenwirkung so gut wie möglich darzustellen?

00:10:21: Dann passiert das, was jetzt gerade passiert, niemand bekommt mit, was hinter den Schulgebäuden tatsächlich los ist.

00:10:28: Wo fange ich mal an?

00:10:30: Nehmen wir mal ein offensichtliches Thema, das Schulgebäude.

00:10:34: Was passiert bei euch, wenn zum Beispiel Elternabende oder Weihnachtsfeiern oder Eltern-Sprechtage anstehen, also wenn, ich sag mal, Außenstehende in die Schule kommen?

00:10:44: Leute, da wird geschrubbt, was das Zeug hält.

00:10:47: Da wird die Klasse aufgeräumt, da werden die Wollmäuse aus den Regalen und aus der Aula gefegt.

00:10:52: Da werden noch extra zwei Kunststunden eingeplant, damit ja die Bilder auch endlich fertig werden und der Flur besonders toll aussieht.

00:10:59: Und da werden teilweise, das ist auch kein Scherz, Toiletten von Schulleitungen geputzt.

00:11:04: Kein Scherz.

00:11:06: Was wäre denn, wenn Eltern Sprechtage oder zum Beispiel Schul-Eingangsuntersuchungen wirklich mal im Klassenräumen stattfinden würden, die zeigen, wie es aussieht?

00:11:15: Wo noch Löcher hinter der Tafel sind, wo Ballabdrücke an den Wänden sind, wo die Fenster aus den Angeln kippen, wo Wasserfarbspritzer überall am Boden und an den Wänden hängen?

00:11:25: Was wäre dann?

00:11:26: Also, was wäre, wenn der Hausmeister oder das Putzteam sich weigern würden, die Klo rollen, die irgendein Kind XY mal wieder aus Spaß ins Klo gestopft hat, sich weigern würde, die rauszufischen?

00:11:39: Oder vielleicht ein kleiner Träger, sorry an dieser Stelle, ist leider auch kein seltenes Thema mehr.

00:11:45: Was wäre, wenn alle sich weigern würden, den Kot von den Wänden an den Toiletten zu wischen?

00:11:49: Kein seltenes Thema mehr, sorry.

00:11:52: Ein ähnliches Theaterstück, oh Gott, da muss ich jetzt schon wieder lachen, ist es ... Wenn sich die Schulaufsicht ankündigt, hatte die das schon mal.

00:12:01: Boah, im Ernst, Leute, das ist der reinste Zirkus.

00:12:04: Da wird die Schule so was von auf links gedreht.

00:12:07: Also, da gibt es teilweise Wochenendaktionen und Spätschichten, Nachtschichten.

00:12:11: Da werden die Arbeitspläne aus den Schränken gezogen.

00:12:15: Die hat seit vier Jahren keiner mehr in der Hand gehabt.

00:12:17: Also, die müssen wirklich erst mal abgestaubt werden.

00:12:19: Und dann werden die einmal komplett überarbeitet, damit die Schulaufsicht sich die einmal durchblättern und anschauen kann.

00:12:26: überfliegen kann und danach werden die wieder ins Regal gestellt und dann guckt sich die vier Jahre wieder keiner an.

00:12:32: Aber Hauptsache am Tag X ist alles perfekt.

00:12:35: Die Toiletten blitzen, die Glühbirnen funktionieren, alle das Unkraut auf dem Schulhof ist gezupft.

00:12:40: Ja.

00:12:41: Perfekte Scheinwelt, oder?

00:12:44: Auch das Thema Elternarbeit gehört für mich irgendwo zur Außenwirkung.

00:12:48: Also wie oft spricht man mit Lehrkräften und hört dann sowas wie, boah, ich fühle mich so allein gelassen, ich kann wirklich nichts sagen.

00:12:58: Meine Schulleitung versucht es immer allen Eltern recht zu machen.

00:13:01: Die hat einfach so Angst davor, irgendwie in Konfrontation mit Eltern zu geraten.

00:13:05: Die knickt sofort ein, wenn Eltern ankommen.

00:13:08: Ja, und dementsprechend versucht man dann natürlich auch, dass immer alles irgendwie Friede, Freude oder Eierkuchen ist.

00:13:13: Und natürlich ist das ja auch die Optimallösung.

00:13:17: Also, ja, ich sag mal, eine gute Eltern... Lehrer-Kind-Beziehung basiert ja darauf, dass alle irgendwie an einem Strang ziehen und natürlich auch das Beste fürs Kind wollen.

00:13:30: Aber immer alles in Watte zu packen und alles zu beschöningen, ist vielleicht auch nicht der richtige Weg.

00:13:37: Wie oft steht man denn als Lehrkraft vor der Situation, dass man wirklich einfach mal tachendes Reden möchte mit den Eltern, dass man einfach wirklich mal sagen möchte, was Phase ist.

00:13:48: Dass man das aber nicht kann und nicht darf, weil man dann Angst haben muss, dass die Zusammenarbeit nicht mehr funktioniert oder dass man von der Schulleitung einen drüber bekommt.

00:13:57: Ja und am Ende des Schuljahres sitzt man da und formuliert Zeugnisse, auf denen dann zum Beispiel steht.

00:14:03: Karl Friedrich Johann war stets bemüht.

00:14:06: Arthur Benedikt Emmanuel hat noch Schwierigkeiten, sich in die Klasse einzufügen und seine Emotionen zu kontrollieren.

00:14:12: Und eigentlich meint man, der prügelt sich in einer Tour und haut anderen ständig auf die Nase.

00:14:17: Eltern geben Erziehungsaufgaben an Schulen ab und beschweren sich dann auf der anderen Seite, dass Dinge angeblich überhaupt nicht laufen.

00:14:23: Wie kann es denn sein, dass mein Kind diese Woche schon zum dritten Mal aufgeteilt wurde?

00:14:26: Da fehlen doch jetzt schon wieder so viele Lehrer.

00:14:29: Und dass mein Kind die Aufgaben, wenn es dann aufgeteilt ist, in der anderen Klasse nicht schafft, wie kann das sein?

00:14:34: Und anstatt, dass man dann sagt, ja, sorry, weil wir einfach chronisch unterbesetzt sind, weil wir alles versuchen, damit die Kinder überhaupt irgendwie in Schule bleiben können und sie arbeiten gehen können.

00:14:44: Und die Aufgaben schafft ihr Kind nicht, weil sie ihm scheinbar zu Hause nie erklärt haben, dass man auch vor anderen Lehrkräften Respekt haben sollte und nicht nur vor der Klassenlehrerin und dass man sich vielleicht auch mal selbst auf den Hintern setzen sollte, wenn man eine Aufgabe bekommt und dass einem das nicht immer vorgebetet werden muss, dass man die jetzt bitte auch zu Ende macht.

00:15:01: Ja, stattdessen sagt man, Wir nehmen ihre Sorgen ernst und wir werden versuchen eine Lösung für dieses Problem zu finden.

00:15:07: Oder auch einfach mal zu sagen, nein, ihr Kind hat keine ADRS, das hängt einfach viel zu lange vor dem Tablet.

00:15:13: Könnte einen auch in Schwierigkeiten bringen, wäre aber an mancher Stelle, glaube ich mal, dringend notwendig.

00:15:19: Und auch an dieser Stelle wieder, die meisten Eltern sind wirklich toll und kooperativ.

00:15:24: Also ich habe wirklich zu... Pfff, siebenneinzig Prozent würde ich sagen nur positive Erfahrungen gemacht.

00:15:29: Aber manchen Eltern müsste man, glaube ich, wirklich einfach mal die Wahrheit vor Augen führen.

00:15:34: Ich könnte das jetzt an dieser Stelle noch weiter ausführen, aber zwei Beispiele habe ich noch offen.

00:15:39: Beispiel Nummer vier, Lehrkräfte und Menschen im System.

00:15:43: Am sechsohnzwanzigsten Juni, zweitausendfünfzwanzig, ich habe das noch mal nachgeschaut, war unsere Bildungsministerin Karin Prien bei Markus Lanz zu Gast.

00:15:52: Falls ihr die Folge noch nicht gesehen habt, absolut empfehlenswert.

00:15:55: Also guckt ihr euch bitte wirklich an.

00:15:58: Allgemein ging es eigentlich um die Herausforderung im Bildungssystem.

00:16:01: Da war eine Lehrkraft, Katja Giesler hieß sie.

00:16:04: Ich kann gerade nicht mehr ganz genau sagen, wo sie herkam.

00:16:07: Ich meine aus Wiesbaden, aber bin mir jetzt gerade nicht mehr ganz sicher.

00:16:11: Tut an dieser Stelle aber auch wenig zur Sache.

00:16:13: Sie hat auf jeden Fall erzählt, dass sie und andere Schulen sich zusammengetan haben und aus verschiedenen Gründen eine Überlastungsanzeige gestellt haben.

00:16:23: Einer der vielen Gründe für diese Überlastungsanzeige war, dass es einfach nicht genug Lehrkräfte gibt, um die normale Unterrichtsversorgung überhaupt irgendwie zu gewährleisten.

00:16:33: Und dass sie selbst sogar Studierende und Freunde schon gefragt hat, ob sie nicht an der Schule eventuell einspringen könnten.

00:16:38: Und die Frau Prin hat daraufhin ganz große Augen bekommen und meinte nur, das dürfen die doch gar nicht.

00:16:46: Und ich habe in diesem Moment echt nur gedacht, ey, es sagt wieder so viel aus.

00:16:52: Das gefühlt alle, die nichts mit Schule zu tun haben, absolut überhaupt keine Ahnung davon haben, was abgeht.

00:16:58: Und am allerwenigsten Peilung anscheinbar fing nicht die Politik.

00:17:02: Also ich hab echt gedacht, ich bin im falschen Film.

00:17:05: Es wird suggeriert, dass alles in Ordnung ist, dass die Maschine Schule doch einfach weiterläuft.

00:17:10: Und das tut sie ja oberflächlich auch.

00:17:13: Äh, noch.

00:17:15: Ja.

00:17:16: Aber auch nur, weil die Lehrkräfte sie am Laufen halten und zwar täglich.

00:17:19: Also Lehrkräfte leisten Überstunden, sie leisten unzählige Vertretungsstunden.

00:17:25: Lehrkräfte nehmen das siebentzwanzigste, achtentzwanzigste, neunzwanzigste Kind in die Klasse auf.

00:17:29: Auch wenn eigentlich gar kein Platz mehr da ist, dann sitzen halt zwei Kinder an einem Tisch, gar kein Problem.

00:17:34: Lehrkräfte differenzieren, behalten alle Kinder im Blick, sie schreiben Förderpläne.

00:17:39: bringen Kinder in Deutschland bei, sind indirekt eigentlich Schulpsychologen, Sozialarbeiter, Krankenpfleger, Sekretäre, Putzkräfte, Lehrkräfte improvisieren täglich, weil Schule suggeriert, dass alles planbar ist.

00:17:52: Da gibt es feste Schumpenpläne, es gibt Lehrpläne, es gibt Jahrespläne, es gibt Pläne für Pläne.

00:17:57: Aber an sich ist nichts planbar.

00:17:59: Ey, Leute, ganz ehrlich, Vertretung noch und nöcher.

00:18:02: Gerade jetzt in Krankheitsphasen.

00:18:04: Die kommt ja jetzt erst noch Anfang Januar, Februar.

00:18:07: Kinder werden aufgeteilt.

00:18:08: Man hat dann bis zu thirty-fünf Kinder in einem Raum sitzen aus den verschiedensten Klassen.

00:18:12: Neue Konzepte.

00:18:14: Konzepte für Konzepte, die mal eben aus dem Boden gestampft werden müssen.

00:18:17: Die von Schulen noch ein Top zum Unterrichtsgeschehen ausgearbeitet werden müssen.

00:18:21: Thema Inklusion.

00:18:23: Irgendwie gerät das auch total in Vergessenheit.

00:18:25: Digitalisierung, Konferenzen, Fortbildung.

00:18:28: Und nach außen wird immer irgendwie dargestellt, läuft doch alles.

00:18:32: Wir können jede Unterrichtsstunde vertreten.

00:18:34: Jedes Kind kann von uns gezielt gefördert und gefordert werden.

00:18:38: Wir werden jedem Förderbedarf gerecht.

00:18:40: Wir schaffen es, jedes Kind mit Aggressionsproblemen in Schule zu therapieren.

00:18:44: Bei uns sind die Eltern zufrieden.

00:18:46: Wir feiern Schulfeste und wir zeigen, wie pädagogisch wertvoll wir arbeiten.

00:18:51: Projekt durch.

00:18:52: Eigentlich ist jede Lehrkräfte damit komplett überfordert, aber hey, Hauptsache alles ist toll.

00:18:57: Wir machen Weihnachtsfeiern und studieren mit den Kindern eine Aufführung ein, natürlich auch noch einen Top zum Unterricht.

00:19:03: Aber Hauptsache, wir zeigen, wie toll der Klassenzusammenhalt ist und wie kreativ wir arbeiten können.

00:19:08: Lehrkräfte springen.

00:19:10: Ja, Lehrkräfte fangen auf, sie füllen auf und ich würde sagen, sie ertragen einfach stumpf.

00:19:15: Und vor allem schweigen sie.

00:19:17: Ist ja schließlich auch Dienstgeschäft, gehört halt eben dazu.

00:19:21: Ja, und weil die Kinder immer diejenigen sind, die unter der ganzen Situation leiden, opfert man sich halt eben auf.

00:19:27: Weil man das Gefühl hat, weil man auch irgendwie das Bewusstsein hat, wenn ich die Kinder nicht im Blick behalte, wenn ich mich dafür sorge, dass es ihnen in Schule gut geht, dann tut es auch wirklich keiner.

00:19:38: Ich habe letztens einen Reel gesehen, Leute.

00:19:40: Da hat eine Lehrerin ein Bett in ihre Klasse gestellt.

00:19:44: Ein Bett.

00:19:45: Also mal ganz davon abgesehen, dass ich nie einen Klassenraum hatte, in den ein Bett gepasst hätte, frage ich mich, äh, wo sind wir denn mittlerweile gelandet?

00:19:54: Also ein ganz großes Chapeau an das Engagement dieser Lehrkraft, wirklich, also ich finde es total toll, aber es ist ja auch ein Sinnbild dafür, was Lehrer alles leisten und in Kauf nehmen, damit das System überhaupt irgendwie läuft und damit es den Kindern gut geht.

00:20:10: Also ich stelle ein Bett in meine Klasse, weil es Kinder gibt.

00:20:14: bei denen Eltern es scheinbar nicht schaffen, sie rechtzeitig ins Bett zu bringen oder bei denen überhaupt nicht darauf geachtet wird, was die Kinder, ja, ich sag mal, nach einnzwanzig, zwanzig, dreinzwanzig Uhr in ihrem Zimmer noch treiben.

00:20:25: und dann liegen die vielleicht teilweise mit ihren Smartphones noch bis Mitternacht unter der Bettdecke und kommen natürlich am nächsten Tag total übermüde zur Schule.

00:20:35: Und so war es, behalten Lehrkräfte im Blick, wir begegnen allen gesellschaftlichen Veränderungen mit einer Lösung.

00:20:41: Das ist zwar lobenswert, Aber nach außen wird damit natürlich auch wieder suggeriert, wir schaffen das, wir schaffen alles.

00:20:49: Aber zu welchem Preis?

00:20:50: Mir wurde erst jetzt mit Abstand zum Schulalltag total bewusst, dass man irgendwie Teil einer Inszenierung geworden ist.

00:20:58: Solange wir Lehrkräfte funktionieren, solange wir alles mittragen und solange wir immer eine Lösung für alles finden.

00:21:04: Solange Lehrkräfte immer über ihre Kapazitäten arbeiten und einfach niemals sagen, das ist zu viel, ich schaff das nicht mehr, solange wird doch das Bild der funktionierenden Maschine aufrechterhalten.

00:21:16: Oder?

00:21:16: Solange wird sich nichts ändern.

00:21:18: Versteht mich nicht falsch.

00:21:19: Also ich appelliere ja jetzt hier nicht dafür, dass alle Lehrer plötzlich streiken sollen oder nur noch Dienst nach Vorschrift machen sollen.

00:21:27: Das ist natürlich auch nicht zielführend.

00:21:29: Es ist einfach eine super schwierige Situation, weil auf der einen Seite will man natürlich Veränderungen schaffen, weil so wie es jetzt aktuell ist, ist es einfach kein Zustand mehr.

00:21:40: Man will ja das System irgendwie im Kleinen reformieren, aber auf der anderen Seite ist das als einzelne Lehrkraft echt ein Kampf gegen Windmühlen und... Wenn man halt immer suggeriert, dass alles in Ordnung ist, dann kommt von oben erst recht keine Unterstützung.

00:21:56: Es wird ja dann einfach nicht gesehen.

00:21:58: Es ist einfach echt ein Teufelskreis.

00:22:00: Lass uns mal rumspinnen.

00:22:01: Was wäre, wenn Lehrkräfte tatsächlich nur die Arbeit leisten würden, für die sie auch bezahlt werden?

00:22:07: Und dann einfach so Microbrop?

00:22:09: Ja, das war's.

00:22:11: Was wäre, wenn, ja, wenn man wirklich alle Überstunden mal aufschreiben und dokumentieren würde, wenn Lehrer einfach mal sagen würden, nö.

00:22:19: mhm, bis hier und nicht weiter mache ich nicht.

00:22:22: Wenn man mal einfach alle Unterrichtsstunden ausfallen lassen würde, die sonst vertreten werden müssten.

00:22:27: Und wenn man dann tatsächlich einfach mal wieder klassen tageweise oder vielleicht sogar wochenweise ins Homeschooling schicken müsste.

00:22:34: Was wäre denn, wenn man Eltern wirklich mal offen und ehrlich sagen würde, Leute, ihr habt einfach eine Erziehungsauftrag, kümmert euch bitte mal.

00:22:42: Und was wäre, finde ich fast am besten in der ganzen Überlegung, wenn das Ministerium mal eine Woche lang wirklich einen realen Schulalltag erleben würde.

00:22:52: Eine Woche lang ohne Beschönigung.

00:22:54: Meint ihr, dann würde sich was ändern?

00:22:57: Tja, maybe we will never know.

00:23:00: Kommen wir zum letzten Beispiel.

00:23:02: Bresantes Thema, Beispiel fünf.

00:23:05: Inklusion und individuelle Förderung.

00:23:08: Kurzer Exkurs an dieser Stelle vielleicht für alle, die nicht direkt etwas mit Schule zu tun haben, da gibt es hier bestimmt auch ein paar, die zuhören.

00:23:16: Was bedeutet eigentlich das Wort Inklusion?

00:23:19: Also im Prinzip kann man sich das so vorstellen, dass alle Menschen gleichberechtigt und von Anfang an einem gesellschaftlichen Leben teilhaben können, sollen.

00:23:28: Und für Schulen soll es damit das oberste Ziel sein, dass man Kinder und Jugendliche gemeinsam unterrichtet, egal ob sie einen Förderbedarf haben oder nicht.

00:23:36: Und das bedeutet im Umkehrschluss für die Lehrkraft, dass sie quasi jedes Kind im Blick behält und jedes Kind da abholt, wo es leistungsmäßig steht.

00:23:46: und demnach auch entsprechend seiner Bedürfnisse und Begabungen individuell gefördert werden soll.

00:23:52: Seit dem ersten, ersten, zweiten, neun ist das tatsächlich in Deutschland sogar gesetzlich festgehalten und im Zuge dessen wurden in einigen Bundesländern.

00:24:02: Ich kann jetzt allerdings nur in erster Linie für NRW sprechen, weil ich lange in NRW gearbeitet habe und da war es definitiv so.

00:24:08: In Bayern gibt es zum Beispiel noch fast flächendeckend Förderschulen und Förderzentren, aber in NRW ... Ja, sind das wirklich nur noch ganz sporadisch.

00:24:17: ein paar Förderschulen?

00:24:20: Genau, und die wurden geschlossen.

00:24:21: Und Kinder mit sonderpädagogischem Förderbedarf, also beispielsweise Kinder mit einer körperlich-motorisch eingeschränkten Entwicklung oder Kinder mit einer Lernbehinderung oder einer emotional-sozialen Entwicklungsstörung werden dann mit Kindern unterrichtet an Regelschulen, die keinen Förderbedarf haben.

00:24:38: Ich werde auf jeden Fall noch eine eigene Folge zur Inklusion machen, deswegen hole ich jetzt hier nicht ganz so weit aus, sondern ich beschränke mich darauf, warum das Thema Inklusion für mich auch zum Thema Scheinwelt Schule passt.

00:24:48: Ich weiß, dass man mir ein Thema Inklusion wahnsinnig aufpassen muss.

00:24:52: Ich habe mir da an der einen oder anderen Stelle auch schon mal einen ordentlichen Shitstorm eingehandelt.

00:24:57: Ich finde trotzdem aber, dass das Thema unfassbar wichtig ist, weil es uns einfach tagtäglich in Schule begegnet.

00:25:03: Und weil ich ein bisschen das Gefühl habe, dass das so in den letzten Monaten oder vielleicht auch Jahren irgendwie so ein bisschen in Vergessenheit gerät und vielleicht auch tatsächlich unter den Teppich gekehrt wird, aber dieses Thema ist so wichtig und darf auf gar keinen Fall totgeschwiegen werden.

00:25:17: In der Theorie soll es dann so sein... dass die Sonderpädagogen, die ja eigentlich an den Förderschulen gearbeitet haben, die geschlossen wurden, dann mit an die Regelschulen kommen und dort ja sozusagen als Berater und Unterstützer tätig sind, würde ich mal sagen, also dass sie quasi den Lehrkräften zur Seite stehen auf der einen Seite und das hier auf der anderen Seite natürlich aber auch für die Kinder da sind und Kinder mit Förderbedarf eben im gemeinsamen Lernen gezielt fördern.

00:25:44: Es ist ja tatsächlich auch so, dass Kindern, wenn sie einen nachgewiesenen Förderbedarf haben, gesetzlich Förderstunden zu stehen.

00:25:51: Also das ist je nach Bundesland unterschiedlich und ich glaube teilweise sogar, dass Schulen das selbst entscheiden können und auch je nach Art des Förderbedarfs.

00:26:02: Aber Fakt ist, jedem Kind stehen gesetzlich Förderstunden zu.

00:26:06: Das ist allerdings eine komplette Milchmedienrechnung, die... Ja, tatsächlich vorne und hinten nicht aufgeht.

00:26:12: Also, nehmen wir mal als Beispiel.

00:26:13: Wir haben eine Grundschule, ich sag mal mit, boah, was ist denn so Schnitt?

00:26:16: Vielleicht zweihundertzwanzig Kinder und davon haben fünfzehn ein nachgewiesener Förderbedarf.

00:26:22: Dann nehmen wir mal an, jedem Kind stehen vielleicht fünf Förderstunden zugesetzlich.

00:26:26: Was übrigens auch schon witz ist, wenn man sich mal überlegt, weil jedes Kind hat ja mehr als zwanzig Schulstunden in der Woche.

00:26:32: Und wenn man dann überlegt, dass dieses Kind alleine in fünf Stunden eine Unterstützung bekommt und den Rest der Stunden auf sich alleine gestellt ist, ja, ist das auch schon wieder egal.

00:26:42: Das ist ein anderes Thema.

00:26:44: Aber wenn man das jetzt mal überlegt, werden das seventy-fünf Förderstunden, die in der Woche geleistet werden müssten.

00:26:49: und dann hat man an einer Schule vielleicht, wenn man Glück hat, sag ich mal zwei Sonderpädagogen.

00:26:54: und selbst wenn diese beiden Sonderpädagogen Vollzeit arbeiten würden, dann würden die doch schon alleine den Bedarf der Stunden, die gebraucht werden, also dieser seventy-fünf Förderstunden, Den können die doch überhaupt nicht decken.

00:27:07: Und jetzt kommt die knallharte Realität.

00:27:08: Also ganz ehrlich, an vielen Tagen sind diese Sonderpädagogen überhaupt nicht im Haus.

00:27:14: Also die müssen dann zu anderen Schulen fahren, dann müssen sie dort Testung durchführen, dann müssen sie dort Gespräche führen und dann müssen sie OSF-Verfahren leiten und sind einfach nicht für die Kinder an der eigenen Schule, an der Stammschule sozusagen.

00:27:27: anwesend.

00:27:28: Wenn wir dann in die Phase kommen, wo viele Regelschullehrkräfte wegen Krankheit ausfallen, dann sind Sonderpädagogen immer die Ersten, die vertreten müssen, weil die sind ja einfach immer doppelt gesteckt.

00:27:40: Da fällt dann nichts aus, außer natürlich die Förderstunden, aber das ist ja nicht so wichtig, die kann man ja mal hinten rüberfallen lassen, machen wir dann einfach nächste Woche wieder.

00:27:47: Und wenn man dann mal ehrlich ist, dezimiert sich die Zahl der Förderstunden ja wirklich auf ein Minimum.

00:27:52: Und wenn man jetzt noch mal davon ausgeht, dass es zusätzlich zu diesen fünfzehn nachgewiesenen Förderbedarfskindern bestimmt noch weitere, ich sage mal, in Anführungsstrichen U-Boote gibt, die natürlich auch einen hohen Bedarf haben, die aber eben noch nicht offiziell getestet wurden.

00:28:07: Und wenn man mal davon ausgeht, dass es für Förderstunden ja auch Material und Räumlichkeiten braucht und dass gerade für Kinder mit Förderbedarf eine feste Beziehung und eine feste Bezugsperson an einer Schule besonders wichtig ist, kann man, glaube ich, sagen, dass die Inklusion komplett gescheitert ist.

00:28:24: Und da kann sich eine Schule dann noch so toll hinstellen und sagen.

00:28:27: Wir sind eine Schule des gemeinsamen Lerns.

00:28:29: Wir leben in Klusion.

00:28:31: Wir holen jedes Kind dort ab, wo es steht.

00:28:33: Leute, das ist Bullshit.

00:28:35: Das ist in der Regel unter gegebenen Umständen einfach nicht möglich.

00:28:39: Kinder mit Förderbedarf bekommen an der Regelschule schlichtweg einfach nicht die Förderung, die ihnen zusteht und auch nicht die Förderung, die sie wirklich dringend bräuchten.

00:28:47: Und das liegt nicht, wie es ja dann wirklich ganz oft einfach auch suggeriert wird, an vollen Lehrkräften, die haben ja sowieso nur keine Lust auf Inklusionskinder.

00:28:56: um es einfach jetzt mal ganz krass zu formulieren, sondern das liegt dann schlichtweg daran, dass in Anführungsstrichen normale Lehrkräfte, also Regelschullehrer, erstens überhaupt nicht dafür ausgebildet sind und zweitens, dass Regelschullehrkräfte auch einfach gar keine Kapazität dafür frei haben.

00:29:12: Da sitzen in einer Klasse Kinder ohne Deutschkenntnisse, Kinder auf den unterschiedlichsten Lehrniveaus, Kinder mit Traumata, Kinder mit Konzentrations- und Wahrnehmungsstörungen.

00:29:23: Und dann soll ich auch noch die Arbeit einer Förderschullehrkraft übernehmen und Kinder mit Förderbedarf gezielt fördern.

00:29:31: Leute, ernsthaft, Schule ist eigentlich ein Ort des Schweigens.

00:29:36: Also die Maschine läuft, weil es Menschen gibt, die darin arbeiten und die einfach gefühlt nur still vor sich hin funktionieren.

00:29:42: Und sie läuft, weil die Gesellschaft denkt, sei doch alles gut.

00:29:46: Also Lehrer jammern hier sowieso nur auf hohem Niveau.

00:29:49: Und irgendwo ist es ja auch ein... Teufelskreis.

00:29:52: Also Lehrkräfte arbeiten permanent über ihre Kapazitäten.

00:29:55: Man will es ja auch den Kindern schön machen und man will ja auch allen Kindern gerecht werden.

00:30:01: Nach oben hin suggeriert man dann aber, dass alles läuft.

00:30:04: Ja, dann wird halt von oben, von den Ministerien vor allem überhaupt nicht gesehen, was eigentlich schiefläuft.

00:30:10: Und dann denken die sowieso Reformen greifen doch, dann können wir die Lehrer nochmal weiter vollpacken mit Aufgaben.

00:30:15: Lasst uns zum Abschluss der Folge mal ein paar Fragen im Kopf durchspielen.

00:30:19: Was wäre?

00:30:20: Wenn Lehrer sich wirklich mal offen hinstellen würden und sagen würden, ich kann das nicht mehr und ich mache es jetzt auch nicht mehr.

00:30:28: Was wäre, wenn Lehrkräfte endlich mal wieder Zeit hätten, sich um Kinder zu kümmern und nicht nur im Bürokratie und Formulare?

00:30:33: Was wäre, wenn individuelle Förderung wirklich stattfinden würde und wenn das nicht einfach nur ein Wort im Schulprogramm wäre?

00:30:40: Was wäre, wenn Schule mal wieder das Kind und den Menschen in den Fokus stellen würde und nicht nur Belastbarkeit, Bewertbarkeit, Noten, Leistung?

00:30:50: Was wäre, wenn Schule nach außen einfach mal ehrlich wäre und nicht immer versuchen würde, perfekt zu sein?

00:30:57: Was wäre dann?

00:30:58: Und jetzt ein ganz wichtiger Satz, über den ich auch ein wenig nachdenken musste.

00:31:03: Veränderung beginnt da, wo die Fassade Risse bekommt.

00:31:08: Und mit diesem Satz entlass ich euch jetzt in die achso-besinnliche Adventszeit, die nach außen so wunderschön leuchtet und nach Plätzchen duftet.

00:31:17: Ja, die nächste Folge erscheint dann kurz vor Weihnachten.

00:31:20: Das wird tatsächlich nur eine ganz, ganz kurze Folge, weil ich weiß, dass ihr alle komplett im Weihnachtsstress und den Weihnachtsvorbereitungen steckt.

00:31:28: Es wird ein kleines Weihnachtsgedicht, ein wenig lustig, ein wenig sarkastisch, aber mit viel Wahrheit behaftet und ich glaube, dass viele von euch sich darin wiederfinden werden.

00:31:40: Bis dahin genießt den einen oder anderen Glühwein auf dem Weihnachtsmarkt und denkt auf gar keinen Fall darüber nach, wie viele Kalorien Weihnachtsplätzchen haben.

00:31:48: Bis in zwei Wochen, Eure Jana!

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