#23 - Differenzierung - oder: Trauen wir unseren Kindern zu wenig zu?

Shownotes

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00:00:00: so ein bisschen verlernt haben, das auszuhalten.

00:00:02: Und damit meine ich nicht uns selber sondern ich meine die Frustration von Kindern aus zu halten.

00:00:34: Hallo ihr Lieben!

00:00:36: Willkommen zu einer neuen Folge von.

00:00:38: Es war einmal eine Lehrerin.

00:00:40: Das geheime Fest im September hier in München ist jetzt endlich vorbei.

00:00:45: Ich mach dann Haken hinter, das war richtig toll!

00:00:47: Aber auch wahnsinnig anstrengend.

00:00:49: diese berühmt-berüchtigte Volksfestgrippe die ist ganz knapp an mir vorbeigeschrappt.

00:00:54: man hört sich bin noch ein bisschen nasal unterwegs aber es hat mich zumindest nicht komplett umgehauen.

00:01:00: ich bin gerade trotzdem noch ein bischen auf wie soll ich das sagen schmalem Akku unterwegs aber ich nehme jetzt heute trotzdem schon mal die neue Podcastfolge auf.

00:01:09: nach dem fest musste ich mich ein bisschen erholen, ich musste mich ein bißchen ausruhen und hier in der Sonne gelegen.

00:01:16: Wir hatten noch richtig schönes Wetter hier in München für eigentlich die komplette Woche.

00:01:20: heute ist das erste Tag wo es mal richtig herbstlich ist.

00:01:23: Ich freue mich jetzt auch total auf den Herbst aber trotzdem war es noch schön paar Tage Sonne zu tanken Und ich habe einen Nachmittag genutzt und mir die Folge ... Das ist eine Folge, die wurde mir empfohlen Und zwar im Zuge der PISA-Studie.

00:01:40: Keine Angst, das wird jetzt heute nicht noch einmal um die PISA Studie gehen.

00:01:43: Ich glaube da haben wir jetzt oft genug darüber gesprochen aber trotzdem geht es um diese Folge von Lanz und Brecht.

00:01:50: Absolute Empfehlung an dieser Stelle.

00:01:52: und ich muss sagen ich habe wirklich super super oft an ganz ganz vielen Stellen einfach nur mit dem Kopf genägt und gedacht ja... Ja, wirklich.

00:02:01: Es ist einfach wie es ist und ein bisschen stolz war ich auch muss ich sagen und ich habe mich ein bisschen gefreut weil ich viele Dinge die die beiden ausdiskutiert und überlegt haben auch tatsächlich in meinem Buch anbringe und auch ausführe Und ich dann irgendwie dachte ja guck mal das hat echt alles Hand und Fuß was du da gesagt hast.

00:02:20: Aber warum ich jetzt auf diese Folge zu sprechen komme eine bestimmte stelle des podcasts der folge hat mich wirklich zum Nachdenken gebracht und ich bin da echt hängen geblieben.

00:02:30: Und musste diese bestimmte Stelle auch noch zwei, drei mal zurückspulen und habe sie mir immer wieder angehört.

00:02:35: Und zwar ist das eine Stelle die ungefähr ab Minute drei und vierzig diskutiert wird.

00:02:41: es geht in diesem Teil der Podcast-Folge um internationale Schulsysteme.

00:02:46: also die beiden reden darüber was isst in dem Bildungssystem anderer Länder anders.

00:02:51: Was ist vielleicht besser?

00:02:53: Und sie kommen hier auch auf das Thema Differenzierung zu sprechen und in diesem Zuge erwähnen die beiden ein Buch, dass Alexander Brandt geschrieben hat.

00:03:01: Das Buch heißt Die Bildungsweltmeister eine Reise zur den besten Schulen der Welt und was man daraus lernen kann.

00:03:07: Ich zitiere euch jetzt an dieser Stelle mal, was sowohl Lands als auch Brecht an dieser Stelle, die mich einfach irgendwie gefesselt hat zitieren Land sagt zu diesem Thema, ich zitiere das jetzt einmal wörtlich.

00:03:20: In Estland sind die Erwartungen an die Schüler sehr hoch.

00:03:23: Gleichzeitig werden sie besonders gut unterstützt und wenn nötig auch gefördert.

00:03:28: In Deutschland ist es oft so dass ein leistungsschwächeres Kind einfach leichtere Aufgaben bekommt Und anstatt bei Schwierigkeiten gleich die Anforderungen abzusenken wird zunächst dort die Unterstützung verstärkt.

00:03:39: Die beiden unterhalten sich dann ein wenig darüber und diskutieren das ein bisschen aus.

00:03:42: Es geht auch darum, dass der Schulsystem was wir heutzutage haben veraltet ist... ...und dass es aus einer Zeit kommt in der einfach ganz andere Dinge gefordert waren.

00:03:50: Und die Kinder mussten zur derzeit auf eine andere Welt vorbereitet werden als das heute der Fall ist.. ..und dass das Schulsystem halt noch in dieser alten Zeit feststeckt!

00:04:00: Jetzt kommt an dieser Stelle das wo ich wirklich hängen geblieben bin und jetzt zitiere ich wortwörtlich prächt.

00:04:06: diese Gleichmacherei ist es die mich stört.

00:04:08: Du hast Kinder, die in bestimmten Entwicklungen langsamer sind und anderen schneller sind usw.

00:04:13: Und darauf rücksicht zu nehmen halte ich für sehr gut.

00:04:16: Das heißt aber nicht einfach den Sozialismus beibehalten und denen ein leichtere Aufgaben geben sondern das heißt dem Klassenverband auflösen können ja und das in verschiedenen Projekten zu machen unterschiedlichen Lernniveaus – das gibt es auch!

00:04:31: Das kann man aber noch viel besser und viel allgemeiner machen, um eben dafür zu sorgen dass jeder möglichst nach seinen Möglichkeiten gefördert wird.

00:04:40: Weil das Tempo ist halt nicht entsprechend gleich!

00:04:43: Und darauf muss ich Rücksicht nehmen.

00:04:44: Ich muss auf das individuelle Lernentempo Rücksich nehmen wenn ich entsprechend fördern will.

00:04:49: Das bedeutet aber im Umkehrschluss NICHT Dass sich das Leistungsniveau absenke.

00:04:54: Leute dieser Satz Dieser letzte Satz...das ist doch mein Blowing und ich glaube darin liegt gerade ein ganz ganz großes Problem im deutschen Bildungssystem.

00:05:04: Und das werde ich jetzt mal versuchen, in den nächsten fünfzehn bis zwanzig Minuten ein wenig aufzudröseln.

00:05:09: Los geht's!

00:05:14: Ich weiß nicht wie es euch geht aber mir wurde damals schon im Ref bei gebracht dass Differenzierung wirklich das A und O von gutem Unterricht ist Diagnostizieren, Lernschwächen erkennen und die Kinder dann da abholen wo sie stehen.

00:05:27: Und am besten differenziert man sein Material dann mindestens dreifach.

00:05:30: Also das wurde bei mir auch in jedem Unterrichtsbesuch verlangt, dass ich mindestens eine Dreifacht-Differenzierung vorlegen kann.

00:05:37: Man kann zum Beispiel im Umfang differenzieren und Aufgaben leichter oder schwerer machen.

00:05:42: Ich kann Lesetexte z.B.

00:05:44: in silbenschrift anbieten... ...ich kann Tippkarten hinter die Tafel hängen.

00:05:47: Lesetexte z. B., wenn Kinder noch nicht so gut lesen können auf ein Diktiergerät aufsprechen.

00:05:52: Ich weiß nicht was!

00:05:53: Es gibt so unfassbar viele Möglichkeiten.

00:05:55: zu differenzierender gehe ich jetzt gar nicht so genau drauf ein.

00:05:59: Das ist auch alles hier total vereinfacht dargestellt, worum es eigentlich geht.

00:06:02: das alles klingt ja auch total logisch und das ist es auch.

00:06:06: aber recht gibt eine Sache zu bedenken und zwar haben wir vielleicht in unserem Bemühen jedes Kind immer dort abzuholen wo's gerade steht irgendwann aufgehört Kindern zu zutrauen dass sie auch weiter kommen können als das wo sie gerade stehen.

00:06:23: wenn ihr selbst Lehrer oder Lehrerin seid dann kennt ihr wahrscheinlich Sätze zum Beispiel, du musst stärker differenzieren.

00:06:29: Das Material muss individueller sein.

00:06:31: Das Kind braucht eine andere Aufgabe.

00:06:33: das Kind kann das nicht.

00:06:35: wir müssen das Niveau anpassen und grundsätzlich ist daran überhaupt nichts falsch.

00:06:39: im Gegenteil ich glaube auch nach wie vor dass guter Unterricht ohne Differenzierung in unseren heutigen Klassen so wie sie zusammengesetzt sind einfach wirklich kaum möglich ist.

00:06:48: Und ich lehne mich jetzt auch mal weit aus dem Fenster und spekuliere das.

00:06:51: Ich Glaube dass einige Verhaltensauffälligkeiten von Kindern daraus resultieren, das sie sich wirklich überfordert fühlen.

00:06:59: Und dem könnte man natürlich begegnen wenn man diesen Kindern eben passendes Material zur Verfügung stellt oder eben eine passende Unterstützung.

00:07:08: Ich selbst hatte auch Klassen in denen die Leistungsunterschiede einfach so krass waren und das ist heutzutage wirklich gerade in den Grundschulen Gang und Gebe.

00:07:17: Da hat man Kinder, da hat man Klassen.

00:07:19: Fünfundzwanzig, sechsundzwanzzig Kinder – das ist ein komplettes Potpourri!

00:07:23: Da hast du Kinder sitzen die bereits komplette Kinderbücher lesen können und andere, die vielleicht gerade mal einzelne Wörter entziffern können.

00:07:30: Ein Kind schreibt dir zum Beispiel nach dem Wochenende eine komplette Seite auf einen halben Aufsatz und andere Kinder mühen sich wirklich eine halbe Stunde daran ab, einen einzigen Satz zu schreiben.

00:07:40: Wenn Kinder im Zahlenraum bis tausend rechnen, gibt es auf der anderen Seite immer noch Kinder die sich gerade irgendwie im Zahlenraum bis zwanzig abmühen und auch die einfachsten Rechenarten nicht können.

00:07:49: Ich weiß es nicht!

00:07:50: Es ist so eine Bandbreite an Leistungs- und Lernniveaus auf denen die Kinder sind den man begegnen muss dass das wirklich enorm ist.

00:07:59: Und gleichzeitig hat man dann Kindersitzen mit sonderpädagogischen Förderbedarf Kinder mit Deutsch als Zweitsprache Kinder mit Konzentrationsproblem Und dann auch Kinder, die dir aber nach drei Minuten sagen.

00:08:10: Ich bin fertig!

00:08:11: Was kann ich jetzt machen?

00:08:12: Und ich kann all diesen Kindern natürlich nicht einfach das gleiche Arbeitsblatt hinlegen und sagen so auf geht's viel Spaß.

00:08:19: Und gerade aus diesem Grund habe ich auch einfach super viel differenziert.

00:08:22: Ich hab zum Beispiel Texte gekürzt oder Aufgaben vereint, Tilfekarten, Tippkarten bereitgestellt, teilweise Satzanfänge vorgegeben... ...ich weiß nicht was!

00:08:31: Es hat teilweise schon geholfen wenn ich einen Arbeitsblatt statt auf DINA IV auf DINA III kopiert habe und ich weiß nichts.

00:08:37: also super viele Sachen gemacht und ich würde ganz vieles davon heute wieder genauso machen.

00:08:43: aber seit ich diesen Podcast gehört habe beschäftigt mich die Frage Was ist denn eigentlich das Ziel von Differenzierung?

00:08:51: Ist es das Ziel, ich gebe einem Kind eine Aufgabe die es auf jeden Fall schafft oder müsste das Ziel vielleicht sein.

00:08:57: Ich gebe einem kind genauso viel Unterstützung dass es irgendwann etwas schafft was es heute vielleicht noch nicht schaffen kann und das sind zwei völlig unterschiedliche Dinge.

00:09:06: Ich geb euch mal ein Beispiel.

00:09:07: Eine Metapher stellt euch mal zwei Kinder vor die einen Berg erklimmen wollen.

00:09:12: Das eine Kind ist super fit, das ist trainiert und geht ganz oft mit seinen Eltern wandern.

00:09:17: Und für dieses Kind ist es überhaupt kein Problem den Gipfel auch schon nach kurzer Zeit zu erreichen.

00:09:22: Dann haben wir Kinder Nummer zwei – das ist vielleicht nicht so fit, dass war noch nie Wandern – und für dieses kind ist es eine wahnsinnige Anstrengung bis ganz oben auf den Gippel zu kommen.

00:09:32: So jetzt habe ich zwei Möglichkeiten.

00:09:34: Möglichkeit eins ist es, dass wir sagen weißt du was?

00:09:37: Du musst gar nicht bis zum Gipfeln!

00:09:38: Das reicht wenn wir bis zur ersten Hütte gehen Und dann hast du es geschafft und dann ist das gut.

00:09:43: Oder wir haben Möglichkeit zwei und für Fragen, was brauchst Du jetzt damit Du weiterkommst?

00:09:50: Brauchst Du vielleicht mehr Pausen?

00:09:51: Braust Du vielleicht jemanden der Dich an die Hand nimmt, der mit Dir geht?

00:09:55: Brauchen wir vielleicht eine andere Route, die nicht ganz so steil ist dafür vielleicht ein bisschen länger?

00:10:00: Braucht Du mehr Zeit?

00:10:01: Braut Du vielleicht noch ein bisschen Training?

00:10:03: Das Ziel bleibt aber zunächst gleich und zwar den Gipfel zu erreichen!

00:10:07: Aber der Weg dorthin verändert sich und genau das ist es, was mich seit dem Thema Defensierung, seit dem Podcast so nachdenklich macht.

00:10:15: Müssen wir vielleicht wieder häufiger den Weg differenzieren?

00:10:17: Also den Weg zum Ziel verändern anstatt das Ziel selbst?

00:10:21: Ich sage natürlich ganz bewusst – häufiger nicht immer!

00:10:25: Es gibt Kinder zB mit sonderpädagogischem Förderbedarf.

00:10:28: für die sind andere Lernziele ausdrücklich sinnvoll und notwendig und einfach ein essentieller Bestandteil des Schulalltags.

00:10:36: Und selbstverständlich gibt es auch Situationen, in denen Anforderungen angepasst werden müssen.

00:10:40: Keine Frage!

00:10:41: Aber vielleicht passiert diese Anpassung inzwischen einfach manchmal viel zu schnell?

00:10:45: Als Pädagogen und Pädagoginnen reden wir heutzutage so oft von Helikoptereltern oder mittlerweile sind sogar häufiger eher die Rasen mehr Eltern.

00:10:54: Das sind Eltern, die ihren Kindern jegliche Steine aus dem Weg räumen damit die kleinen Kinder ja keine Schwierigkeiten meistern müssen.

00:11:01: Wir beschweren uns über falsch verstandene bedürfnisorientierte Erziehung.

00:11:05: Kinder erfahren keine Grenzen mehr an denen sie vielleicht wachsen können.

00:11:09: aber Sind wir als Lehrer oder Lehrerin vielleicht teilweise genauso geworden?

00:11:14: Das ist eine provokante Frage an dieser Stelle, ich weiß.

00:11:18: Aber eigentlich gehen wir doch auch häufig den Weg des geringsten Widerstandes.

00:11:23: Ich bekomme mittlerweile so oft Nachrichten in denen mir Lehrkräfte schreiben du Jana!

00:11:28: Ich habe vor drei Jahren deinen Material zu keine Ahnung XY gekauft.

00:11:32: das ist zwar schon differenziert aber selbst die leichteste Differenzierung ist mittlerweile viel zu schwer für die Kinder.

00:11:40: Könntest du das vielleicht nochmal vereinfachen?

00:11:42: Und ich bin über diese Entwicklung wirklich krass erschrocken, muss ich sagen weil teilweise geht es zum Beispiel in der leichtesten Differenzierung darum dass Kinder anstatt einen fertigen Aufsatz zu formulieren nur Satschnipsel ausschneiden und diese zusammensetzen müssen.

00:11:59: Das ist nur eins von vielen Beispiel.

00:12:01: Alle beschweren sich, dass die Kinder immer schwächer werden und dass sie vielleicht keinen Leistungswillen mehr zeigen.

00:12:06: Und da denke ich mir dann ist das aber ein hausgemachtes Problem beziehungsweise ein schul gemachtes?

00:12:12: Werden Kinder vielleicht immer leistungsschwächer weil wir ihnen nichts mehr zutrauen?

00:12:16: Weil wir ihnen vielleicht zu leichte Aufgaben geben aus Angst, dass sie sonst austicken und den Unterricht sprengen?

00:12:22: Zeigen Kinder vielleicht keinen Leistungswillen mehr, weil sie es auch gar nicht mehr müssen?

00:12:27: Und ganz wichtig an dieser Stelle, ich mache hier keine einzigen Lehrkraft einen Vorwurf.

00:12:32: Absolut nicht!

00:12:33: Denn wie soll das funktionieren?

00:12:35: Wenn ich eine Klasse habe mit twenty-fünf Kindern auf unterschiedlichsten Lernniveaus und es wird erwartet dass sich jedes Kind individuell auf dem Lernweg begleite dann ist das schlichtweg nicht möglich, weil ich bin alleine.

00:12:50: Ich brauche dazu entweder zusätzliches Personal oder ich brauche da zu kleinere Lerngruppen.

00:12:56: aber ich kann mich nicht als Lehrkraft auf twenty-fünf Kinder aufteilen.

00:12:59: Das geht einfach nicht.

00:13:00: Punkt!

00:13:00: Das ist so.

00:13:02: Land sagt dann zum Beispiel in der Podcastfolge auch dass in Finnland zum Beispiel Kinder bei Lerndefiziten in speziellen kleinen Fördergruppen gefördert werden oder dass wenn Kinder zum Beispiel krank waren, sie erst mal drei Tage z.B.

00:13:16: in diesen Fördergruppen gefördert werden um das was sie an Stoff verpasst haben wieder aufzuholen damit sie den Anschluss nicht verlieren und das ist ja auch eine richtig tolle Sache.

00:13:25: aber vielleicht gibt es in Finnland einfach das Personal dafür.

00:13:27: Das gibt's ja in Deutschland nicht.

00:13:29: Wir haben hier Wenn wir Förder Gruppen haben Und die hatten wir auch an Schulen Aber das war dann häufig so Dass die einfach regelmäßig ausgefallen sind weil die Personen, die diese Fördergruppen machen, dann regelmäßig vertreten mussten.

00:13:42: Also es war ja schon fast unmöglich den normalen Unterricht überhaupt abzudecken und wenn dann mal eine Förderung stattgefunden hat, dann war das wirklich ein Luxus!

00:13:49: Und damit sind wir dann auch eigentlich wieder bei der Ausgangsfrage oder dem Ausgangsthema dieser Folge angekommen.

00:13:56: Deutschland hat bei den internationalen Leistungsvergleich in den vergangenen Jahren massiv verloren.

00:14:01: Und natürlich wäre das jetzt viel zu einfach, zu sagen ja klar!

00:14:04: Das liegt ja auch daran dass die Kinder in der Schule nicht mehr gefordert werden?

00:14:07: Nein!

00:14:08: Pisa-Ergebnisse haben unglaublich viele Ursachen.

00:14:10: ich brauchte hier nicht mehr alle aufzählen da haben wir oft genug drüber gesprochen.

00:14:14: aber es liegt definitiv nicht daran dass Lehrkräfte schlechte Arbeit leisten oder Kinder nicht mehr genug gefördert werden.

00:14:21: im Gegenteil ohne dass Lehrer und Lehrerin täglich den Einsatz zeigen würden denen sie zeigen werden die Ergebnisse, glaube ich einfach noch viel viel schlechter ausgefallen.

00:14:32: Ich finde trotzdem dass wir uns an dieser Stelle eine Frage stellen dürfen und zwar welche Rolle spielt denn eigentlich das Thema Leistung oder unsere Haltung gegenüber Leistungen?

00:14:41: Was erwarten wir heute noch von Kindern?

00:14:43: was erwarten Kinder von sich selbst?

00:14:44: welchen Anspruch haben sie vielleicht auch?

00:14:47: Ich habe nämlich manchmal das Gefühl dass wir in Deutschland in eine merkwürdige Situation geraten sind.

00:14:52: auf der einen Seite Beklagen wir immer sinkende Leistungen.

00:14:57: Auf der anderen Seite ist aber schon das Wort Leistung an sich, finde ich teilweise super negativ besetzt.

00:15:03: Wettbewerbevergleiche scheitern alles wird zunehmend kritisch gesehen.

00:15:09: Wir schaffen die Bundesjugendspiele ab Bei Minikicker-Fußballtonien gibt es nur noch erste Plätze weil die Kinder ja sonst traurig sind wenn sie verlieren.

00:15:17: Eltern lassen ihre Kinder bei Gesellschaftsspielen gewinnen um Frustration zu vermeiden überhaupt generell das sofortige Eingreifen in alles, was Kinder tun.

00:15:26: Ist das Puzzle zu schwer?

00:15:28: Streiten sich die Kinder?

00:15:29: Ist die Leiter auf dem Spielplatz zu hoch?

00:15:31: Zack!

00:15:32: Sofort sind die Erwachsenen zur Stelle anstatt die Kinder einfach mal selbst ausprobieren und sie auch einmal an ihre Grenzen zu

00:15:39: bringen.".

00:15:40: Dabei braucht eine Gesellschaft doch Menschen, die auch mal was aushalten können.

00:15:44: Die sich anstrengen und die nicht bei jeder Anforderung direkt immer verzweifeln.

00:15:48: Menschen,die auch mal gelernt haben dass man halt einfach mal etwas tun muss obwohl es gerade anstreängt ist oder wo man vielleicht auch gerade einfach mal keine Lust dazu hat.

00:15:56: Wann haben wir denn angefangen Anstrengungen?

00:15:59: Immer automatisch mit etwas Negativen zu verbinden?

00:16:03: Lernen ist halt einfach nicht immer Friedefreude Eierkuchen.

00:16:06: Natürlich soll lernen irgendwo Spaß machen.

00:16:08: Manchmal ist Lernen aber auch einfach mühsam und langweilig und anstrengend.

00:16:12: Und so isst das halt eben, da muss man dann halt durch!

00:16:15: Ich muss auch durch Dinge durch die mir nicht leicht fallen.

00:16:18: Das heißt ja nicht dass ich zu doof dafür bin.

00:16:20: Das heisst einfach...ich kann das noch nicht.

00:16:23: Aber ich probier das halt.

00:16:24: Ich mache ein Fehler Ja, ich ärgere mich darüber.

00:16:27: Dann probiere ich es nochmal.

00:16:28: Vielleicht funktioniert's an dieser Stelle immer noch nicht.

00:16:31: Vielleicht brauche ich dann auch ein bisschen Hilfe?

00:16:33: Und ich übe einfach weiter Und irgendwann funktioniert es dann halt.

00:16:37: Und dieses Gefühl, das ist doch so wichtig!

00:16:40: Dieses Ich hab was geschafft, was ich vorher noch nicht konnte aus eigener Anstrengung.

00:16:45: Ich habe etwas gelernt und zwar weil ich mich angestrengt habe... Weil ich mich etwas getraut habe.

00:16:51: Das ist so ein wichtiger Satz auch dem man sich immer mal wieder selber sagen muss Der Berg war mir vielleicht irgendwann nochmal zu hoch Aber mit mehreren Anläufen und mit etwas Unterstützung habe ich's jetzt auch auf den Gipfel geschafft Und ich nur bis zur ersten Hütte.

00:17:06: Genau das ist doch Lernen!

00:17:08: Wenn wir Kindern aber permanent immer nur Aufgaben geben, bei denen wir vorher eigentlich schon ziemlich sicher sind dass sie die Aufgaben auf jeden Fall schaffen werden dann nehmen wir ihnen noch manchmal das Gefühl oder genau eben diese Erfahrung zu machen von wenn ich mich anstrengen kann ich auch etwas schaffen?

00:17:24: Wenn ich einem Kind immer permanent sage ah ich glaube das ist noch zu schwer für dich Ich glaub ich geb dir lieber heute mal das leichtere Blatt.

00:17:32: Was kommt denn bei diesen Kindern an?

00:17:34: Ich finde dann kommt doch hauptsächlich irgendwie an.

00:17:37: Ich bin eben nicht gut genug in Mathe, ich kann sowieso nicht lesen also muss ich es auch nicht machen... ...ich bin halt einer von den Schwachen.

00:17:45: deswegen muss sich auch immer nur die Hälfte machen und das ist das was mir an dieser ganzen Diskussion einfach besonders wichtig ist.

00:17:52: Differenzierung darf einfach nicht dazu führen dass wir Kinder bereits sehr früh in Ich sag mal Leistungsschubladen stecken.

00:18:00: Die Guten, die Mittlerinnen, die Schwachen, die Förderkinder, die Kinder mit Sternchenaufgaben und die Kinder, die das Sternchenblatt sowieso niemals bekommen werden.

00:18:08: Gerade in der Grundschule entwickeln Kinder doch überhaupt erst ihr Selbstbild.

00:18:12: also ich glaube wir unterschätzen einfach manchmal welchen Einfluss gerade die Erwartungen von uns Erwachsenen darauf haben wie Kinder sich selber wahrnehmen.

00:18:22: Und an dieser Stelle nochmal etwas ganz deutlich.

00:18:25: Wenn ich davon spreche, dass wir Kinder mehr fordern sollten dann meine ich damit nicht das wir mehr Druck aufbauen müssen und mehr Tests schreiben müssen oder dass wir zwangsläufig wieder schlechte Noten verteilen müssen – ganz im Gegenteil!

00:18:37: Das ist ja kompletter Quatsch.

00:18:39: Ich finde wir müssen einfach zwei Dinge voneinander trennen und zwar einmal Leistung und Leistungsdruck.

00:18:45: Leistung ist nicht automatisch was Negatives eigentliches Leistungen sogar was richtig Gutes.

00:18:51: Ein Kind, das nach zehn Versuchen endlich ohne Stützräder Fahrrad fahren kann.

00:18:54: Das Kind hat was geleistet!

00:18:56: Ein Kind dass wochenlang abends beim Zähneputzen zum Beispiel noch... ...das einmal eins im Kopf durchgegangen ist und plötzlich merkt zack es sitzt ich kann's.

00:19:06: Warum sollen wir also so tun als wäre das etwas Schlechtes?

00:19:09: Problematisch wirds dann wenn wir den Wert eines Kindes an diese Leistung knüpfen Wenn zum Beispiel aus Ich weiß nicht du hast es nur nicht geschafft ein Du bist halt nicht gut genug wird.

00:19:20: Das darf nicht passieren.

00:19:21: Aber daraus zu schließen, dass wir von Kindern von Anfang an möglichst wenig verlangen sollten – das halte ich für falsch!

00:19:28: Was ist jetzt das Fazit des Ganzen?

00:19:30: Kommen wir langsam zum Ende dieser Folge.

00:19:33: Auch wenn ich Differenzierung in dieser Podcast-Folge sehr kritisch betrachte, heißt es nicht, dass ich sie abschaffen will.

00:19:40: auf gar keinen Fall.

00:19:42: Für mich ist Differensierung immer noch ein... ein unersetzlicher Teil von Schule und Unterricht.

00:19:48: Sie ist einfach wirklich unverzichtbar, wir brauchen Differenzierung aber ich glaube wir müssen aufpassen das aus individueller Förderung keine individuelle Begrenzung wird.

00:19:58: Wir sollten aufpassen dass wir einem Kind nicht schon mit weiß ich nicht sieben acht Jahren einen Stempel aufdrücken und sagen Das ist deine Schublade da gehörst du rein Du bist halt ein schwaches Kind, du kriegst den und den Lernstoff.

00:20:12: ist das Thema gegessen.

00:20:14: Ich glaube einfach, dass wir Kindern wieder mehr zutrauen müssen und ich glaube auch, dass Wir frustrationen wieder aushalten müssen also nicht die Kinder Also die auch klar gerade ich sage mal thema bedürfnisorientierte erziehung frustration und so weiter.

00:20:28: Das ist ein ganz ganz wichtiges thema.

00:20:30: aber ich glaube Auch Dass wir Erwachsenen So Ein bisschen verlernt haben das auszuhalten und damit meine ich nicht uns selber sondern nicht meine, die Frustration von Kindern auszuhalten.

00:20:41: Also wenn Kinder da sitzen und zweifeln und vielleicht frustriert sind oder traurig sind dass sie nicht weiterkommen das vielleicht einfach mal aus zu halten und die Kinder mal machen zu lassen Und nicht direkt einzugreifen Nicht direkt ich weiß nicht Die erste Hilfe rein geben oder wie auch immer Sondern sich danebenzusetzen die Kinder zu bestärken Sie sozusagen an die Hand zu nehmen.

00:21:04: Ich sehe, dass dich das gerade anstrengt.

00:21:06: Aber wir probieren es jetzt zusammen und ich bin ganz sicher, dass du das schaffen kannst.

00:21:10: Frustration ist ja nicht automatisch über Vorderu und Anstrengung ist auch nicht automatische Leistungsdruck.

00:21:16: Und ich glaube, dass wir Erwachsenen uns das einfach viel öfter klar machen müssen.

00:21:21: Mit einem Satz möchte ich diese Podcastfolge beenden.

00:21:25: Das ist der Satz so viel Unterstützung wie nötig und so viel Anspruch wie möglich!

00:21:31: Das ist für mich glaube ich so der Satz, der es ziemlich gut zusammenfasst und auch noch einmal an dieser Stelle wirklich hervorgehoben.

00:21:39: Wir können von Lehrkräften nicht verlangen jedes Kind individuell auf das höchstmögliche Niveau zu bringen wenn gleichzeitig die Bedingungen auf der anderen Seite fehlen.

00:21:48: wir können nicht von individueller Förderung sprechen und gleichzeitig Klassen immer Heterogener zusammensetzen, ohne zusätzliches Personal.

00:21:56: Wir können nicht Inklusion versprechen und gleichzeitig Förderstunden oder Förderpersonal streichen.

00:22:02: Wir könnten nicht hohe Bildungsstandards fordern und gleichzeitig erwarten dass eine einzelne Lehrkraft – twenty-fünf oder sogar dreißig völlig unterschiedliche Lernstände gleichzeitig auffängt!

00:22:14: Das geht einfach nicht!

00:22:15: Wenn wir hohe Erwartungen an Kinder stellen wollen, dann müssen wir eben auch Hohe Erwartung an unser Bildungssystem stellen und diese müssen erfüllt werden.

00:22:24: Und bevor ich jetzt hier die ganze Zeit weiter um den heißen Brei herum rede, beende ich diese Folge – und eine Sache würde mich jetzt interessieren!

00:22:33: Wie erlebt ihr das Ganze?

00:22:35: Differenzieren wir zu stark oder differenzieren vielleicht sogar noch zu wenig und sagen, wir kommen der Heterogenität in den Klassen einfach überhaupt nicht hinterher?

00:22:44: Ja, ihr dürft gerne mitdiskutieren und zwar auf meiner Instagram-Seite passend unter dem Beitrag zu dieser Folge.

00:22:52: Und ja!

00:22:53: Mit diesem abschließenden Satz entlasse ich euch jetzt ins wohlverdiente Wochenende... Ich weiß gar nicht ob jetzt dieses Wochenende einige schon Ferien?

00:23:01: Doch starten wir nicht in der Wie.

00:23:02: Ich glaube einige starten heute auch in die Ferien.

00:23:05: In diesem Sinne wünsche ich euch dann natürlich auch wunderschöne und erholsame Herbstferien.

00:23:10: Macht's gut ihr Lieben, ich freue mich wenn wir uns in zwei Wochen wieder hören wenn es heißt.

00:23:14: Es war einmal eine Lehrerin bis dann!

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