#17 Inklusion - Zwischen Anspruch und Wirklichkeit
Shownotes
Inklusion ist eine großartige Idee – aber wie sieht ihre Umsetzung im Schulalltag wirklich aus?
Fast 20 Jahre nach Inkrafttreten der UN-Behindertenrechtskonvention stehen viele Schulen noch immer vor enormen Herausforderungen. Während die Zahl der Kinder mit Förderbedarf steigt, fehlen häufig Personal, Zeit und Ressourcen. Lehrkräfte erleben täglich die Spannung zwischen dem, was Inklusion ermöglichen könnte, und dem, was unter den aktuellen Bedingungen tatsächlich möglich ist.
In dieser Folge möchte ich sichtbar machen, warum so viele Lehrkräfte an ihre Grenzen kommen – und warum echte Inklusion mehr braucht als gute Absichten. Denn Teilhabe gelingt nicht durch politische Vorgaben allein, sondern durch die Rahmenbedingungen, die sie möglich machen.
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00:00:01: Ja, und so in etwa ging das dann zu jedem Förderbedarf.
00:00:06: Wo man immer dachte ist nett gemeint von euch aber kommt uns bitte mal nur einen einzigen Tag an der Regelschule besuchen.
00:00:40: Hallo ihr Lieben!
00:00:42: Willkommen zu meiner neuen Folge von.
00:00:44: Es war einmal eine Lehrerin.
00:00:46: Ich hatte eigentlich für heute ein anderes Thema geplant und zwar wollte ich mich eigentlich mit einer befreundeten Erzieherin über das Thema Kitaschule wie auch immer austauschen.
00:00:57: Das wird auch noch kommen.
00:00:59: versprochen, wir schieben das aber nochmal auf!
00:01:02: Und stattdessen widme ich mich heute einem Thema dass ja sehr... ich würde sagen Emotionsgeladen ist momentan meiner Meinung nach wieder irgendwie aus irgendwelchen Gründen in den Hintergrund rückt und gar nicht mehr so stark diskutiert wird, obwohl es eigentlich so ein brisantes Thema ist und so große Auswirkungen auf das komplette Schulsystem hat.
00:01:26: Und ein Thema an dem ich mir tatsächlich schon häufiger die Finger verbrannt habe, weshalb ich glaube auch solange gewartet habe hierzu eine Podcastfolge aufzunehmen einfach weil es zu diesem Thema viele viele Meinungen gibt Und ich glaube, man kann es einfach niemandem recht machen.
00:01:44: Aber nichtsdestotrotz scheue ich jetzt nicht davor mich diesem Thema zu widmen und zwar Trommelwirbel!
00:01:50: Es geht um das Thema Inklusion.
00:01:53: auf der einen Seite und dass ist auch gut so sehen viele in der Inklusion einfach die Chance auf Teilhabe, Aufgleichberechtigung und ja wie gesagt das ist auch Gutso.
00:02:04: auf der anderen Seite gibt es aber auch ganz viele, die einfach die harte Realität im Schulalltag erkennen.
00:02:11: Und ja das ist ein großes Spannungsfeld und ich werde jetzt heute mal versuchen dieses Spannungspfeld ein wenig aufzudröseln indem ich zum Beispiel Fragen beantworte was ist eigentlich Inklusion?
00:02:23: Wo liegen die Chancen von Inklusion, wo sind aber auch ihre Grenzen?
00:02:26: und vor allem auch woran scheitert es momentan eigentlich?
00:02:30: und was braucht Inklusion damit sie wirklich so umgesetzt werden kann wie das ursprünglich gedacht ist.
00:02:37: Ich würde sagen, wir verlieren gar nicht so viel Zeit!
00:02:40: Auf geht's, holt euch ein Eiscafé... Wir gehen rein!
00:02:47: Was ist eigentlich Inklusion?
00:02:48: Also irgendwie alle reden von Inklusion.
00:02:51: Das Wort hört man immer wieder.
00:02:52: aber was beinhaltet das eigentlich?
00:02:55: und generell kann man sagen dass Inklusion ein Menschenrecht ist.
00:02:58: Das heißt alle Menschen Und ich rede jetzt hier in erster Linie mal von Kindern weil es geht ja in dieser Folge um Inklusion in der Schule.
00:03:07: Das heißt Kinder haben ein Recht darauf, gemeinsam mit anderen Kindern zu lernen.
00:03:13: Sie haben einen recht auf Teilhabe und Aufzugehörigkeit und unabhängig davon welche geistigen körperlichen oder auch sozialen Voraussetzungen sie mitbringen.
00:03:23: Und aller spätestens seit der UN-Behindertenrechtskonvention im Jahr... ...swei tausend sechs meine ich und ein zwei Jahre später wurde das dann auch in Deutschland schwarz auf weiß festgehalten ist, dieses Recht auf Inklusion tatsächlich auch gesetzlich verankert und alle Staaten die sich an dieser Konvention beteiligt haben, haben sich demnach dazu verpflichtet ein inklusives Schuhsystem aufzubauen.
00:03:53: Und ja was das alles beinhaltet da werde ich jetzt im Laufe dieser Folge noch drauf zu sprechen kommen.
00:03:58: Also kurz gesagt man braucht natürlich einige Vorkehrungen, individuelle Fördermaßnahmen für diese Kinder.
00:04:05: Es braucht qualifizierte Fachkräfte wir brauchen Schulen die demnach ausgebaut werden.
00:04:11: Die Idee hinter dieser Inklusion ist nicht nur richtig sondern auch einfach wahnsinnig wichtig und irgendwie auch ein Ausdruck von einer gesellschaftlichen Entwicklung.
00:04:21: habe ich so das Gefühl weil lange war es einfach so dass Menschen mit einer Behinderung vom gesellschaftlichen Leben quasi ausgeschlossen wurden und auch in der Schule, also es war ja wirklich einfach lange, lange Zeit so das Kinder die in Anführungsstrichen nicht ins Raster gepasst haben.
00:04:37: Aus dem Regelschulsystem ausgeschlossen wurden Und an Förderschulen oder damals hießen sie ja glaube ich noch Sonderschulen Auch immer einen Begriff mit einem kleinen Geschmäckler würde ich sagen Ja, die wurden dann halt an anderen Schulen unterrichtet.
00:04:52: und dass wir uns mittlerweile als Gesellschaft von diesen Gedanken entfernen Ist auf jeden Fall gut und das geht in die richtige Richtung.
00:04:59: Es könnte noch deutlich mehr sein, nicht nur beim Thema Behinderung es geht für mich all generell also Neurodivergenz Diversität Homosexualität Ich weiß nicht was.
00:05:09: es gibt ja so viele Dinge wo man einfach gefühlt Gedanklich noch auf dem Stand von vor einigen Jahren ist Wo man aber merkt dass da langsam auch in der Gesellschaft mehr Akzeptanz kommt und sich auch etwas tut.
00:05:21: dennoch Muss es, glaube ich auch erlaubt sein?
00:05:24: Und ich glaube an dieser Stelle werde jetzt hier schon den ersten Zuhörerinnen vielleicht von Kopf stoßen.
00:05:29: Es muss erlaubт sein eine unbequeme Frage zu stellen und zwar was passiert wenn eine Idee also Thema Inklusion eine Idee die offensichtlich wirklich moralisch und gesellschaftlich richtig ist aber auf der anderen Seite auf ein Schulsystem trifft das eigentlich schon im Normalbetrieb überhaupt nicht mehr funktioniert?
00:05:48: Was dann passiert, dass er leben Lehrkräfte tagtäglich in der Schule?
00:05:53: Die Politik hat die Inklusion gefühlt über Nacht irgendwie beschlossen.
00:05:56: Schulen wurden dann vor vollendete Tatsachen gestellt und einfach wirklich mit der Aufgabe gefühled alleine gelassen.
00:06:03: Das Ziel der Inklusion ist ja auch komplett nachvollziehbar und auch definitiv überfällig.
00:06:09: Aber man kann doch nicht einfach eine Entscheidung In dieser Dimension, die auch so einen Rattenschwanz hinter sich herzieht treffen ohne die nötigen Voraussetzungen im voraus dafür zu schaffen.
00:06:22: Inklusion heißt ja nicht einfach, ach wir stecken hier Kinder mit einer Behinderung in normale Schulklassen und dann läuft das schon.
00:06:29: Inklusion braucht einfach Rahmenbedingungen und das fängt doch schon alleine damit an dass die meisten Schulen zum Beispiel gar nicht barrierefrei sind.
00:06:38: also wenn ich dann Kinder an eine Schule bekomme mit einer Körperbehinderung Die im schlimmsten Fall im Rollstuhl sitzen Dann fängt es doch schon damit an, dass die alleine schon wahnsinnig viele Schwierigkeiten haben überhaupt erst mal in ihren Klassenraum zu kommen.
00:06:52: Da braucht's Rampen, das braucht Aufzüge, es braucht behindertengrechte Sanitäranlagen und auch Klassenräume wo so ein Rollstuhl oder vielleicht auch andere Dinge, die diese Kinder brauchen halt eben einfach Platz haben.
00:07:06: Überlegbar ist das bei euch an der Schule der Fall.
00:07:08: also wäre es tatsächlich so, dass Kinder mit einer Körperbehinderung wirklich in jedem Klassenraum oder in jeden Förderraum, oder Fachraum oder wie auch immer kommen könnten.
00:07:19: Inklusion braucht Fachräume.
00:07:21: wir brauchen Förderräume Wir brauchen Fachpersonal!
00:07:25: Wir brauchen Sonderpädagogin Schussozialarbeiter Sozialpädagogen Psychologen und Therapeuten Und das auch nicht nur für drei Stunden pro Woche wenn man denn Glück hat und überhaupt jemandem hat der da mal kommt sondern wir brauchen wirklich da verlässliche Kräfte die auch regelmäßig abrufbar sind.
00:07:43: und Inklusion braucht generell kleinere Klassen.
00:07:48: Eine Lehrkraft ist, ich würde fast sagen zu neunzig Prozent vielleicht sogar zu fünf Neunzig-Prozent einfach komplett alleine in der Zeit.
00:07:55: also wir haben kein Teamteaching Wir sind wirklich die meiste Zeit allein in der Klasse Und man muss doch diesen Lehrkräften überhaupt den Hauch einer Chance geben allen Kindern irgendwie gerecht werden zu können und wir brauchen Lehrkräfte, die gezielt auf dieser Aufgabe vorbereitet werden schon in der Lehrausbildung.
00:08:17: Wenn die Lehraausbildung schon vorbei ist durch gezielte Fortbildungen, die dann im Endeffekt auch wirklich was bringen aber Lehrkräften werden einfach ins kalte Wasser geschmissen.
00:08:27: In der Realität sieht das ja eigentlich schon so aus dass eine Lehrkraft ich sage mal im Schnitt vor einer Klasse steht mit Diese twenty-fünf Kinder ohne Kinder mit Förderbedarf in der Klasse bringen ja schon an sich so viele unterschiedliche Lernvoraussetzungen, Bedürfnisse und unterschiedlichste Entwicklungsstände mit.
00:08:46: Da ist dann zum Beispiel ein Karl, der kann bei Schuleintritt vielleicht schon erste kurze Texte lesen weil Mama zu Hause schon ganz viel mit ihm geübt hat.
00:08:54: und daneben sitzt dann Ali und er kennt immerhin schon zwei deutsche Wörter Am Tisch.
00:09:00: daneben sitzt dann eine Saskia.
00:09:01: Saskia kann schon erst Wörter schreiben, hat auch Mama zu Hause mit ihr geübt und sie zeigt an ihrer Freundin Anna die neben ihr sitzt wie man ein Stift richtig hält.
00:09:12: Tobias ist jemand der hat ein wahnsinnig großes ja Auffassungs-, ne gute Auffassungssgabe, er kennt alle Pokémon auswendig und kann Gedichte super gut auswendigt lernen und sich Hörspiele sofort merken wenn er sie einmal gehört hat.
00:09:29: Ja, das Mädchen daneben kennt dafür vielleicht seit gestern die Farben blau und rot.
00:09:33: Und kann das jetzt gerade unterscheiden?
00:09:36: Roman sitzt auch irgendwo in der Klasse, der ist noch nicht trocken.
00:09:39: Der braucht eigentlich eine permanente Begleitung weil er das noch nicht schafft alleine auf die Toilette zu gehen.
00:09:46: Und Marie ist ein Mädchen, die sehr emotional ist und eigentlich seit drei Stunden durchgehend weint, weil sie so sehr ihre Mama vermisst.
00:09:55: Dazu sitzen dann noch in der klasse ... Ein paar Kinder, die eine Konzentrationsschwäche haben.
00:10:00: Die vielleicht eine versteckte LRS oder Diskalkulier haben... ...eine ADHS- oder eine Sprachentwicklungsstörung.
00:10:07: und zwischen all diesen Individuen, zwischen diesen kleinen Persönlichkeiten mit ihren unterschiedlichsten Päckchen und Rucksäcken sitzen dann noch Kinder,... ...die wirklich einen nachgewiesenen Förderbedarf haben und die sogar gesetzlich das Recht auf eine entsprechende und individuelle Förderung
00:10:25: haben.".
00:10:26: Die gibt's aber nicht, Butter bei die Fische.
00:10:28: Die werden sie im Ansatz nicht bekommen.
00:10:31: Das liegt in den meisten Fällen auch nicht daran, dass die Lehrkräfte keine Lust haben diese Kinder speziell zu fördern sondern dass sie schlichtweg einfach das nicht schaffen und dass sie das nicht können und dass Sie dafür nicht ausgebildet sind.
00:10:42: Es gibt natürlich immer auch Lehrkräften, da müssen wir jetzt an dieser Stelle auch mal ehrlich sein vielleicht nicht die Haltung mitbringen, die man braucht um Inklusion wirklich leben zu können.
00:10:54: Ich würde aber behaupten und so habe ich es zumindest in meiner eigenen Laufbahn als Lehrkraft erlebt, dass wirklich ein Großteil aller Lehrkräfte der Inklusion generell super offen gegenübersteht.
00:11:06: Es scheitert einfach wirklich daran, dass sich Lehrkräften mit dieser Aufgabe einfach komplett überfordert und allein gelassen fühlen.
00:11:13: Grundschullehrer und Lehrerinnen sind nach wie vor immer noch Lehrer!
00:11:17: Und Sonderpädagogen sind Pedagogen – und so ist ja auch das Studium ausgelegt.
00:11:22: Das heißt jetzt nicht im Umkehrschluss, dass der eine besser ist als der andere.
00:11:26: Es sind einfach nur grundverschiedene Ausbildungen mit verschiedenen Zielen und wenn Lehrkräfte in der Regelschule plötzlich die Aufgaben von einer Sonderpädagogin oder von einem Sonderpedagogen übernehmen müssen ohne dass sie davon eine Ahnung haben oder auch nur irgendwie ansatzweise dazu ausgebildet wurden dann führt das natürlich zwangsläufig zu Frust weil man einfach das Gefühl hat, dass man niemandem in dieser Schulklasse mehr gerecht werden kann.
00:11:52: Ich selbst habe mich dann im Jahr... ...zweitausendseppzehn, zweitausundachzehn auf den Weg gemacht und habe eine sogenannte Sonderpädagogische Sockelqualifikation gemacht.
00:12:00: Das heißt das ist eine freiwillige Zusatzausbildung damals zusätzlich zu meiner Vollzeitstelle wohl gemerkt.
00:12:06: Das war eine Fortbildung mit hundertsechzig Zeitstundenumfang hat sich über ein halbes Jahr gestreckt und ich hab einfach ja.. ..ich habe das freiwillig gemacht weil ich im Umgang mit Förderkindern sicherer werden wollte.
00:12:21: GL-Schule gearbeitet, das ist eine Schule des gemeinsamen Lernens.
00:12:25: Also im Zuge der Behindertenrechtskonvention wurden ja in NRW ganz viele Förderschulen geschlossen und die Lehrkräfte also die Sonderpädagogin Und auch die Kinder mussten dann natürlich zwangsläufig auf Regelschulen sozusagen verteilt werden oder beziehungsweise, das wurde dann so.
00:12:44: nach und nach hat sich das dann so eingeschlichen.
00:12:46: Die Förderschulen sind ausgelaufen und die Kinder sind dann ins gemeinsame Lernen gegangen.
00:12:51: Meine ganz eigene Theorie bleibt jetzt mal unter uns hier in diesem kleinen Rahmen ist dass die Politik glaube ich dann doch irgendwann gemerkt hat shit Inklusion, immer Hauruckverfahren durchzubringen war jetzt vielleicht doch nicht so eine gute Idee.
00:13:05: Wir brauchen da mal wieder ein bisschen Überblick und meiner Meinung nach sind GL-Schulen kleine versteckte Förderschulen an die gezielt Förderkinder gebracht werden und an die auch gezielt zumindest in der Theorie benötigt das Fachpersonal gesteckt.
00:13:24: An den Schulen werden multiprofessionelle Teams aufgebaut, zumindest in einer Theorie.
00:13:30: Also an diesen Schulen arbeiten dann Vorrangig-Sonderpädagoginnen und Sozialarbeiter, Schulpsychologen
00:13:35: usw.,
00:13:36: dass das aber auch nur schwarz auf weiß irgendwo steht.
00:13:40: Nur in der Theorie und in der Praxis so nicht passiert.
00:13:42: Das wissen wir alle die in Schule arbeiten.
00:13:45: Aber das ist ein bisschen der Hintergedanke des gemeinsamen Lernens.
00:13:48: also GL-Schulen in NRW sind Schulen um das nochmal kurz zusammenzufassen wo vorrangige Kinder mit Förderbedarf unterrichtet werden sollen.
00:13:58: wenn an einer GL-Schule Aber insgesamt, zum Beispiel zwölf offiziell nachgewiesene Förderkinder im gemeinsamen Lernen unterrichtet werden ist dann aber nur eine Sonderpädagogin gibt die vielleicht nicht mal Vollzeit arbeitet sondern nur sechzehn, achtzehn und zwanzig Stunden hat.
00:14:14: Die dann aber auch neben der Förderung noch andere Aufgaben hat.
00:14:18: Zum Beispiel sind ja auch teilweise noch an mehreren Schulen tätig Sie müssen Förderanträge stellen.
00:14:23: mittlerweile müssen sie an andere Schulen und dort Förderanträge begleiten, sie ist für Elterngespräch zuständig.
00:14:30: Für die Aufklärung, für die Beratung.
00:14:32: ganz im Ernst da kann man sich an einer Hand ausrechnen wie viel effektive Förderungen ein Förderkind an dieser Schule im gemeinsamen Lernen denn tatsächlich bekommt obwohl es ja eigentlich wirklich einen rechtlichen Anspruch darauf hat Ja und da man auch einfach ohne da jetzt irgendein Sonderpädagogen oder eine Sondepädagogin einen Vorwurf zu machen überhaupt nicht im Ansatz.
00:14:53: Aber wir Grundschullehrkräfte stehen einfach mit dieser Aufgabe so ziemlich allein auf alter Flur.
00:14:58: Ich hab mich auch damals echt, ja, einfach muss ich ganz ehrlich sagen überfordert damit gefühlt und eben aus diesem Grund habe ich dann diese sonderpädagogische Sockelqualifikation gemacht.
00:15:08: Die Fortbildung war tatsächlich eine der wenigen Fortbildungen in meiner Lehrerzeit wo ich wirklich sagen kann die habe ich im Großen und Ganzen gut gefunden.
00:15:17: also man konnte wirklich Dinge für sich mitnehmen.
00:15:20: Es war tatsächlich aber auch etwas, was ich mitgenommen habe das mir bewusst gemacht hat dass Inklusion an der Regelschule unter den Bedingungen wie sie jetzt gerade laufen müsste überhaupt nicht im Ansatz funktionieren kann.
00:15:33: Ich bin da wirklich nach jeder Fortbildung, nach jedem Fortbildungs-Tag nach Hause gefahren und hab mir gedacht Das ist ja alles schön und gut was wir da heute gelernt haben.
00:15:41: Aber wie zum Geier sollt'ich das?
00:15:43: Im Regelschoolalltag Mit noch anderen, ich weiß nicht was Kinder an überhaupt irgendwie umsetzen.
00:15:52: Wir sind da zum Beispiel jeden einzelnen Förderbedarf durchgegangen und haben dann so ja... Ich sag mal einen guten Stamm an Handwerkszeug mitbekommen, was man machen kann?
00:16:00: Aber dann war
00:16:00: z.B.,
00:16:01: ich nimm mal nur das Beispiel ... Kinder mit ESE.
00:16:04: Da wurde dann zum Beispiel gesagt Ja, das hilft dann manchmal wenn man diese Kinder Wenn sie wieder in ihrer Wut gefangen sind Einmal eng umklammert und sie festhält.
00:16:14: Manchmal brauchen sie auch einfach einen Rückzugsort, weil ihnen die Situation zu viel wird.
00:16:19: Sie brauchen dann einfach ja ein Raum für sich, dass sie sich aus dieser Situation quasi einmal zurückziehen können und wieder zu sich selber finden können.
00:16:28: was auch total super wäre, wäre ein Trainingsraum.
00:16:32: Auch das hilft den Kindern total.
00:16:34: Und man dachte so Ja auf jeden Fall natürlich hilft das diesen Kindern.
00:16:38: aber Was mache ich denn als Regelschulkraft wenn?
00:16:42: Ich so ein Kind in meiner Klasse hab, mal als Beispiel ist es Matheunterricht.
00:16:46: Der flippt aus.
00:16:47: Soll ich das dann einfach zehn Minuten während des Unterrichts um Klammern festhalten?
00:16:52: Davon mal abgesehen dass sich das ja eigentlich gar nicht darf und die ganzen anderen Kinder bleiben dann weiter brav sitzen auf ihrem Platz und machen ihre Matheaufgaben und sind leise und haben auch keine Fragen und warten einfach bis diese Situation dann wieder vorbei ist.
00:17:05: oder... Richte ich dann in meinen Klassenraum irgendwo noch eine Ecke ein?
00:17:10: Ist ja nicht so, als würde der sowieso schon aus allen Nähten platzen.
00:17:13: Aber da richte ich auch noch eine Rückzugsecke für dieses Kind ein mit Kissen ausgelegt.
00:17:18: Am besten nichts in der Nähe was man irgendwie werfen kann.
00:17:22: Was auch möglichst reiz und verletzungsarm ist.
00:17:25: oder mache ich so eine Ecken vielleicht auf dem Flur bin mir aber bewusst wenn das Kind sich aus der Situation im Klassenraum entzieht und auf den Flur geht dass es in dem Moment von mir wirklich beaufsichtigt ist.
00:17:37: Und spätestens, wenn dann die Brandschutzbehörde beim nächsten Gang durch die Schule geht zeigen sie mir auch ein Vogel und sagen ja genau was das hier?
00:17:44: Das muss ich aber mal als erstes weg!
00:17:45: Und ein Trainingsraum ist an sich auch eine super tolle Idee.
00:17:49: also wir haben da tatsächlich auch im Curriculum damals ganz oft darüber gesprochen.
00:17:53: Aber erstens braucht man dafür einen Raum und zweitens braucht es für Personal dass da jemand permanent drin ist.
00:18:00: Also ja tolle Ideen aber dabei bleibt's dann leider auch Ja, und so in etwa ging das dann zu jedem Förderbedarf.
00:18:09: Wo man immer dachte ist nett gemeint von euch aber kommt uns bitte mal nur einen einzigen Tag an der Regelschule besuchen.
00:18:16: Und ja es mag auch Kolleginnen geben die schlichtweg sagen ich habe keinen Bock auf Inklusion.
00:18:23: Ich hab damals Grundschullehramt studiert Und nicht sonderpädagogik.
00:18:27: hätte ich mich mit diesen Kindern befassen wollen, dann hätte ich halt eben was anderes studiert.
00:18:32: Ich sehe das hier überhaupt nicht ein dass ich mich da jetzt einarbeite und dies und das will ich auch überhaupt nicht sagen.
00:18:37: also die gibt es definitiv.
00:18:39: aber wie gesagt ich glaube dass der großteil der Lehrkräfte wirklich offen und positiv der Inklusion gegenüber gestellt sind Dass sie aber einfach tagtäglich an ihre Grenzen kommen weil in der Schule eben nicht die benötigten Ressourcen da sind.
00:18:55: Das fängt ja gefühlt auch schon in der Lehrerausbildung an, also wenn man heutzutage ein Lehramtsstudenten oder eine Lehramtstudentin fragt wie groß der Anteil an Sonderpädagogik im Studium ist dann gucken die einen an und sagen Sonderpedagogik?
00:19:09: Und jetzt mal ganz im Ernst, die UN-Behindertenrechtskonvention ist fast zwanzig Jahre her!
00:19:14: Fast zwanzich Jahre!
00:19:16: Was ist seitdem passiert in der Lehrausbildung, in den Schulgebäuden, an den ressourcen, an der Einstellung von Personal?
00:19:21: ich weiß nicht was Es ist gefühlt nichts passiert.
00:19:24: Man fühlt sich doch wirklich einfach komplett alleine gelassen!
00:19:28: Ich rede jetzt hier aber die ganze Zeit von Grundschullehrkräften oder generell von Regelschullehrkräften, was ist denn mit den Sonderpädagogen und Sonderpedagogin?
00:19:35: Ich glaube dass auch diese Personen wahnsinnig unzufrieden sind mit den Bedingungen, die aktuell vorherrschen.
00:19:42: Sonderpetagogen haben einfach eine ganz andere Ausbildung gehabt und auch unter ganz anderen Voraussetzungen gearbeitet.
00:19:48: In der Regel war es so, dass man halt super kleine Klassen hatte.
00:19:52: Man hat in vielen Stunden eine Doppelbesetzung dabei gehabt.
00:19:57: Man hatte kleine Fördergruppen vielleicht gehabt, man hatte Förderräume, man konnte eine Beziehung zu den Kindern aufbauen, man hat kleine Lernfortschritte gesehen... Und all das ist im gemeinsamen Lernen aktuell einfach nicht mehr der Fall.
00:20:12: Die Klassen sind wahnsinnig groß, man hat als Sonderpädagoge oder Pädagogin in der Regel keine eigene Klasse, sondern man ist immer zugesteckt.
00:20:20: Man springt von Klasse zu Klasse und teilweise sogar von Schule zur Schule.
00:20:24: mal zieht man Kinder raus, mal sitzt man im Unterricht mit drin.
00:20:28: Man kann nur wahnsinnigt schwer eine Beziehung zu den Kindern aufbauen weil man diese Kinder eben nicht regelmäßig sieht was auch dem geschuldet ist, dass Sonderpädagogen häufig ja als Vertretungsreserve rangezogen werden.
00:20:44: Also gerade in Krankheitsfällen ist es so das Sonderpedagogen natürlich doppelt gesteckt sind und immer diejenigen sind, die als erstes dann auf den Vertretungplan stehen wenn irgendwo Unterricht ansonsten ausfällt.
00:20:55: Das heißt Es fällt wieder eine Förderstunde aus dafür dass kein anderer Unterricht sozusagen ausfällt und so fehlt halt eben auch einfach die Kontinuität.
00:21:06: Und so ist es natürlich auch wahnsinnig schwierig, eine Beziehung zu den Kindern aufzubauen was aber gerade bei Förderkindern also generell natürlich im Lehrerberuf Aber ich finde grade bei Förderkindern Wahnsinnig wichtig ist.
00:21:18: seit twohntausend fünf ist die Zahl der Kinder Die ein Förderbedarf haben in NRW um knapp siebenund dreißig Prozent gestiegen Im Schuljahr zwei tausend.
00:21:36: Die Kinder brauchen eine hochstrukturierte Lernumgebung an Regelschulen.
00:21:49: Sonderepädagogen sind in erster Linie diejenigen, zuständig sind.
00:21:57: Es gibt aber einfach nicht genug von ihnen, in der Regel sagt man das es gut ist wenn auf eine Sonderpädagogin oder einen Sonderpedagogen zehn bis zwölf Schüler kommen.
00:22:10: unter den aktuellen Bedingungen ist es aber so dass auf einer dieser Pädagogen oder Pädagoginnen fünfundzwanzig bis achtundzwantzig Kinder kommen und das teilweise ja nicht nur in einer Klasse sondern auch verschiedenste Klassen verteilt auf unterschiedlichste Jahrgänge verteilt, teilweise auch verschiedene Schulen verteilt sodass die Sonderpädagogen auch noch zwischen verschiedenen Schulen und teilweise an einem Tag sogar hin- und her pendeln müssen.
00:22:38: Also... um das mal zusammenzufassen, die Arbeit der Sonderpädagogin hat einfach gefühlt überhaupt nichts mehr aktuell mit dem zu tun wie sie das irgendwann mal für sich entschieden haben und wie Sie das auch gelernt haben.
00:22:50: Krass gesagt sind Sonderpedagogen einfach irgendwie gut bezahlte Feuerwehrkräfte wenn man es mal ganz fies sagt oder so eine Art mobiles Krisenmanagement Team.
00:23:01: also irgendwie springen die einfach überall ein wo's gerade brennt und haben auch das Gefühl dass sie überall gebraucht werden aber dass man eigentlich nirgendswo wirklich nachweislich etwas bewirken kann.
00:23:12: Und das ist auf Dauer einfach so frustrierend, weil wenn man mal überlegt was hält einem denn auch als Lehrkraft wirklich bei der Stange?
00:23:20: und es ist auch einfach ein Großteil diese Beziehung zu den Kindern?
00:23:25: Dass man sieht was man bewirkt kann, was sie für Lernfortschritte machen, aber wenn all das ausbleibt ja... Was hat man dann im Endeffekt noch?
00:23:33: Eine letzte Sache zur Sonderpädagogik.
00:23:36: Ich glaube, dass Sonderpädagogen auch häufig an ihre Grenze kommen.
00:23:40: Weil es auch leider in Schulen-Regellehrkräfte gibt die vielleicht gar nicht so viel Wert auf die Unterstützung von Sonderpedagogen und Sonderpadagogen legen.
00:23:51: Die sich vielleicht eher gestört fühlen wenn da jemand mit in der Klasse ist oder der das nicht möchte, dass die Kinder irgendwie aus dem Regelunterricht rausgezogen werden.
00:24:01: Ich selbst muss sagen, ich war immer super dankbar für diese Unterstützung.
00:24:07: Das wurde mir auch häufig zurückgemeldet dass ich ein Händchen für Förderkinder irgendwie hatte.
00:24:13: Ich habe es immer irgendwie geschafft mal fies gesagt selbst zu den krassesten Kindern eine Beziehung aufzubauen und das hingekriegt diese Kinder ja... zu fassen, zu greifen wie auch immer.
00:24:25: Es gab trotzdem dennoch ganz viele Momente bei denen ich einfach wirklich hart an meine Grenzen gekommen bin und vor allem war das beim Förderbedarf ESE der Fall.
00:24:34: also ich habe ja in einer Schule an einer GL-Schule gearbeitet Und bin tatsächlich damit... Ich glaube fast jedem Förder Bedarf den es gibt irgendwie in Kontakt gekommen.
00:24:43: Also ich hatte Kinder mit einer Lehrenbehinderung, ich hab dann zum Beispiel differenziertes Material erstellt und dafür gesorgt dass diese Kinder zieldeferent unterrichtet werden.
00:24:52: Ich hatte Kinder mit Sprachbarrieren, ich hatte Kinder im Autismus-Spektrum.
00:24:58: Ich hatte einen Kind zum Beispiel auch einmal was ein Kokkler implantat hatte wo man dann mit so einem Mikrofon unterrichtet hat das manchmal immer ziemlich witzig war wenn man ihn vergessen hat Das in bestimmten Situationen auszustellen.
00:25:11: und das sind alles Dinge die irgendwie händelbar sind.
00:25:14: Es ist Zusatzarbeit keine Frage aber es ist machbar Aber... was für mich wirklich der absolute Entgegner war, waren Kinder mit ESE und das meine ich an dieser Stelle gar nicht böse.
00:25:25: Aber es ist einfach wirklich eine wahnsinnige Herausforderung im Schulalltag!
00:25:30: Ich hatte in meiner Schullaufbahn zweimal Kinder mit einem nachgewiesenen ESE-Förderbedarf in der Klasse und ich habe – das hab' ich ja eben schon gesagt – tatsächlich geschafft auch eine richtig gute Beziehung zu diesen Kindern aufzubauen.
00:25:43: Und da war's dann tatsächlich irgendwann so dass die Kinder so gut kannte Wenn die morgens zur Schule gekommen sind, wusste ich wie wird der Tag?
00:25:52: Ich konnte das bei denen an den Nasenspitzen ablesen.
00:25:54: Es ist ein guter Tag oder es ist kein guter tag und man hat dann für sich natürlich auch irgendwie Strategien entwickelt.
00:26:00: Man wusste wo sind die Stellschrauben und ja... Wie kann ich diesem Kind quasi irgendwie einen guten Tag bereiten?
00:26:07: heute sozusagen?
00:26:08: aber nichtsdestotrotz war immer so'n kleiner Gang auf rohen Eiern weil es musste nur eine Kleinigkeit passieren und diese Kinder sind an die Decke gegangen.
00:26:17: Das hat sich dann auch so krass ausgewirkt, dass ich teilweise mittags im Auto saß und richtig gemerkt habe wie diese Anspannung von mir abgefallen ist weil ich scheinbar den kompletten Vormittag im Klassenraum unter einer wahnsinnigen Spannungsstand immer in dieser Erwartungshaltung jeden Moment passiert was.
00:26:34: Jeden Moment passiert etwas du musst gleich wieder reagieren.
00:26:37: das war nicht jeden Tag so aber es war an vielen Tagen so.
00:26:41: Man war dann immer wirklich in so einer Erwartungshaltung, wo gleich fliegt ein Stuhl.
00:26:44: Gleich wird hier wieder rumgeschrien.
00:26:46: Gleich ... weiß ich nicht.
00:26:48: Wird hier mit ner Schere rumhandiert?
00:26:50: Ich hab keine Ahnung was!
00:26:51: Aber es war einfach super anstrengend und das Allerschlimmste fand er ich... dass du weißt, dass diese Kinder an sich eigentlich überhaupt nichts dafür können.
00:26:59: Die haben das einfach nie gelernt ihre Emotionen, ihre Impulse, ihre Frustration wie auch immer irgendwie steuern zu können und bringen häufig einfach so ein großes Päckchen an ungelösten Konflikten, die sie in sich drin haben mit in die Schule.
00:27:14: Und irgendwann bricht sich dann dieser komplette Druck, den diese Kinder in sich darin tragen, bricht sich dann Bahn.
00:27:22: Man will als Lehrkraft diesen Kindern helfen, man will das irgendwie auffangen aber man weiß einfach dass es überhaupt nicht geht weil es gibt einfach nicht die Ressourcen, die diese Kinder brauchen.
00:27:33: Was macht man denn, wenn das Kind aus der Situation fliehen muss?
00:27:37: Manchmal hilft es den Kindern ja wirklich.
00:27:38: Wenn sie in einer Situation komplett überfordert sind sich aus dieser Situation zu entfernen und dann war's häufig so dass dieses Kind einfach aus der Klasse gerannt ist.
00:27:46: Und dann steht man da und denkt sich Ja Scheiße was mache ich denn?
00:27:50: jetzt bleibe Ich hier stehen lasst das kind auf dem Flur rumtoben und ausrasten und ich weiß nicht was draußen machen oder gehe ich hinterher und lass die Ruf ich im Sekretariat an, das habe ich dann teilweise gemacht.
00:28:05: Aber das ist ja auch nicht an jeder Schule der Fall, dass da regelmäßig eine Sekretärin sitzt.
00:28:10: Dann stehst du im Matheunterricht und hast dein Handy in der Hand, dein privates Handy wohl gemerkt.
00:28:14: Rufs über deinen privates Handi im Seketariat an und sagst sowieso, es gerade wieder weg.
00:28:20: Kann da bitte einmal jemand hinterherlaufen oder kann mich jemand grade in meiner Klasse ablösen?
00:28:24: Und dann war's teilweise auch so, dass die Schulleitung dann gekommen ist, die eigentlich von ihrer Aufgabe, die sie gerade zu erledigen hatte... weggeholt wurde, um mich dann in dieser Situation zu unterstützen.
00:28:36: Und das wäre doch so schön wenn es einfach für solche Fälle festes Personal an jeder Schule geben würde weil ich glaube das sind keine Einzelfälle und man weiß dann auch ganz genau man kommt nach Hause und dann hat man schon wieder erste Elternnachrichten von anderen Eltern im Postfach die dann irgendwie sagen hey wie kann das sein dass da Bücher durch die Klasse fliegen?
00:28:55: dass da wieder rumgeschrien wird, dass mein Kind mit einer Schere attackiert wird.
00:28:59: Und das sind ja auch berechtigte Fragen, weil diese Eltern natürlich ihre eigenen Kinder auch mit einem guten Gefühl zur Schule geben wollen.
00:29:07: Das ist ja komplett verständlich und als Lehrkraft steht man dann in dieser Rechtfertigungsposition und muss versuchen sich zu erklären ohne zu viel zu verraten, weil man darf ja auch nicht sagen es ist wirklich eine wahnsinnig schwierige Situation und ich will das nochmal an dieser Stelle deutlich machen Ich bin absolut nicht gegen Inklusion.
00:29:25: Im Gegenteil, ich glaube das habe ich jetzt an dieser Stelle oder in diesem Podcast auch mehrfach deutlich gemacht was ich alles getan habe um Inklusion möglich zu machen.
00:29:33: Ich glaube gerade diese Beispiele zeigen aber auch einfach wo die Grenzen von Inklusion liegen und diese Grenzen sind einfach aufgrund fehlender Ressourcen an den Regelschulen sehr niederschwellig und sehr schnell erreicht.
00:29:47: Man steht dann da als Lehrkraft, man will den Kindern helfen.
00:29:49: Man will das alles auffangen und auch den anderen Kindern gerecht werden aber es geht einfach nicht.
00:29:54: Und irgendwie rutscht man in so ein Strudel und man stellt alles infrage und denkt sich Mann ist das meine Schuld?
00:30:01: Mache ich irgendwas falsch?
00:30:03: was könnte ich noch mehr machen?
00:30:05: Ich kenne diese Gedanken Das ist so ein Gedankenstrudel Aber man muss sich immer wieder vor Augen führen Es liegt nicht bei einem selberes Ist das System.
00:30:14: Man muss sich einfach wirklich mal vor Augen führen, unter welchen Bedingungen Kinder an einer Förderschule unterrichtet werden und welche Bedingung ihnen an der Regelschule begegnen.
00:30:26: Und das kann man als normale Lehrkraft im Regel-Schulbetrieb nicht leisten.
00:30:31: So gerne man das möchte es ist schlichtweg einfach nicht möglich.
00:30:35: eine Aufgabe die damit zusammenhängt, die definitiv auch nicht unterschätzt werden kann Ist dass man auch als Lehrkraft ganz viel dafür tun muss um ein Bewusstsein für diese Andersartigkeit zu schaffen in der Klasse.
00:30:48: Ich hatte da echt immer oder ich selbst habe da immer sehr, sehr viel Zeit für aufgewendet auch im Klassenrat und so weiter ganz, ganz viel aufzuarbeiten.
00:30:58: aber nichtsdestotrotz ist es so dass Kinder irgendwann an den Punkt kommen wo sie auch einfach selber merken das sie anders sind.
00:31:06: Gerade bei mir war das zum Beispiel der Fall, bei den Kindern mit einer Lernbehinderung die dann irgendwann auch gemerkt haben ey ich kriege immer andere Sachen als die anderen.
00:31:15: Keine Ahnung also.
00:31:15: man versucht ja schon möglichst dem gleichen Lernstoff runterzubrechen.
00:31:21: aber mal als Beispiel wenn ein Kind in Mathe im Zahlenraum bis tausend arbeitet und dann geht es irgendwie um die Subtraktion Dann versucht man natürlich auch für diese Kinder die Subtraktion dann aber soweit runter zu brechen dass sie das in ihrem auf ihrem Leistungsniveau und wenn es vielleicht nur der Zahlenraum zwanzig ist, schaffen.
00:31:40: Oder man macht halt eben einfach einen Arbeitsblatt mit geringeren oder mit weniger Aufgaben oder wie auch immer.
00:31:46: Es gibt ja viele Möglichkeiten zu differenzieren aber nichtsdestotrotz merken dass diese Kinder irgendwann und dann kommen die ersten Fragen warum kriege ich immer was anderes?
00:31:54: Warum hat der etwas anderes?
00:31:55: Wie auch immer!
00:31:55: Und das muss man als Lehrkraft wahnsinnig feinfühlig aufarbeiten und auffangen und das ist auch eine Aufgabe die definitiv absolut nicht unterschätzt werden sollte und der man sich auch wirklich bewusst sein muss.
00:32:06: Ich könnte jetzt hier noch stundenlang weiter darüber philosophieren, und ich merke auch dass ich mich hier total in Rage rede!
00:32:12: Ich möchte aber auch noch einmal etwas zum Förderantrag und zur Rolle der Eltern sagen bevor ich dann zum Ende der Folge komme damit ein Kind im Endeffekt einen Förderbedarf nachgewiesen bekommt.
00:32:26: Man denkt immer so ja da stellt die Lehrerin den Antrag und ist das durch?
00:32:30: Ne ne ne also das hat wahnsinnig viel Vorlaufzeit, das ist wahnsinnig bürokratisch und das ist Wahnsinnig aufwändig.
00:32:37: Und es ist super intransparent!
00:32:40: Also wenn man nicht glaube ich tatsächlich Sonderpädagogik studiert hat oder sich intensiv damit befasst hat steht man da wirklich einfach vor einem riesen Berg an Fragezeichen und fragt sich wie funktioniert das jetzt hier eigentlich?
00:32:53: Und selbst Regelschullehrkräfte haben ja auch eigentlich super wenig Ahnung davon.
00:32:58: also erstmal generell davon welche Förderbedarfe gibt es überhaupt?
00:33:01: Wie stelle ich die fest, wie äußern sie sich?
00:33:04: Was sind da die in Anführungsstrichen Symptome, woran kann ich das merken.
00:33:08: Wenn dieser Förderbedarf durch ist was braucht dieses Kind dann im Endeffekt für spezielle Maßnahmen?
00:33:14: wird es weiterhin Ziel gleich unterrichtet.
00:33:16: Es ist zieldifferent.
00:33:18: Das sind alles Dinge mit denen man sich auseinandersetzen muss und bevor das alles überhaupt erst mal passiert muss man wahnsinnig viel Dokumentationsarbeit leisten.
00:33:27: also eigentlich muss ich Alles aufschreiben, was mir nur im kleinsten Detail irgendwie auffällt.
00:33:34: Was ich an Fördermaßnahmen leiste, wann diese Fördermassnahmen gelaufen sind und... Und was auch die Crux bei der Sache ist, dass natürlich jedes Bundesland und sogar jedes Schulamt innerhalb eines Kreises wieder komplett ein eigenes Süppchen kocht.
00:33:51: Also jedes Bundesland hat da die eigenen Regeln, jeder Kreis hat seine eigenen Regel, jedes Schulamt hat seine eigene Regeln.
00:33:57: Man muss sich dann immer wieder neu darauf einstellen und wenn es irgendwann soweit ist dass man sagt ich stelle jetzt einen Förderantrag Dann braucht man dafür gefühlten eigenes Studium.
00:34:09: Davon mal ganz abgesehen was ich gerade schon gesagt habe welche Vorlaufzeit dieser Antrag braucht und welche Dokumentationen Bürokratie und was weiß ich was dahinter steckt Ist auch so das für so einen Antrag häufig die Vorstellung beim Kinder- und Jugendpsychologen notwendig ist, weil zum Beispiel ein IQ Test gemacht werden muss oder andere Untersuchungen, die dafür notwendig sind.
00:34:31: Und was die für Wartezeiten haben das wisst ihr besser als ich?
00:34:34: Das is der Wahnsinn!
00:34:36: So kann sich das Verfahren für einen Förderantrag teilweise über Monate wenn nicht sogar über Jahre hinziehen und dann hat man Kinder mit wahnsinnigen Auffälligkeiten und Förderbedarf in der Klasse sitzen die aber überhaupt nicht die Förderung bekommen, die sie eigentlich bräuchten.
00:34:55: Und jetzt mal ganz ehrlich selbst wenn das dann irgendwann so ist nach all dieser Zeit die Vergangenen ist und der Förderantrag ist durch existiert dieser sowieso nur auf dem Papier weil es eben nicht dass Personal und die Stunden und die Ressourcen und die Möglichkeiten und die räume usw.
00:35:10: gibt um diesem Förderbedarf gerecht zu werden.
00:35:13: Es gibt dann verständlicherweise auch Lehrer und Lehrerin, die sagen ich spare mir das Ganze.
00:35:19: Wenn da im Endeffekt sowieso nichts bei rumkommt Dann kann ich mir diesen kompletten Weg einfach sparen Und den ganzen Aufwand weil Im Endeffekte habe ich da keinen Nutzen von.
00:35:28: Das einzige was im Endefekt ist dass dieses Kind schwarz auf weißen Förderbedarf hat.
00:35:33: Im besten Fall kann Ich es vielleicht wenn's zum Beispiel um eine Lernbehinderung geht zieldeferent Unterrichten und kann dem Kind so einfach ein bisschen Druck wegnehmen, aber nichtsdestotrotz muss man ehrlich sein.
00:35:44: Ist es trotzdem nicht im Ansatz das was die Kinder im Endeffekt brauchen?
00:35:47: So und dann sagen viele Lehrkräfte ich spare mir dass Ich stelle da gar keinen Antrag Es bringt sowieso nichts.
00:35:54: dem Schulamt wird dann aber suggeriert auch es gibt ja weniger Förderkinder dementsprechend sind auch weniger Sonderpädagogen notwendig.
00:35:59: und zu weiter Risikateufelskreis riesiger Rattenschwanz ganz großes Problemen im System Und was auch ein ganz großer Fehler ist, das erkläre ich jetzt einmal kurz.
00:36:11: Es geht ja zum NRW dass Kinder oder beziehungsweise das generell Förderanträge erst nach der Schuleingangsphase gestellt werden sollten.
00:36:21: Das heißt die Kinder durchlaufen die erste und zweite Klasse Und vielleicht merkt man dann schon innerhalb dieser ersten zwei Jahre als Lehrkraft.
00:36:28: Da könnte was im Busch sein, aber am Ende der Schule-Eingangsphase bekommen die Kinder noch mal ein Jahr.
00:36:33: Das heißt sie wiederholen die zweite Klasse oder haben schon die erste Klasse wiederholt.
00:36:38: weil man davon ausgeht dass es Kinder gibt und das ist auch richtig so.
00:36:42: Die vielleicht ein bisschen langsamer leeren.
00:36:44: Die anders leeren, die mehr Zeit brauchen und die vielleicht leeren Defizite noch aufholen können So, das ist auch gut so.
00:36:51: Das ist richtig so weil ein Förderbedarf im Endeffekt natürlich auch ein einschneidendes... es ist nicht mal eben dass man Pflaster aufklebt sagen wir mal so und das sollte gut durchdacht und gut überlegt sein.
00:37:03: aber nichtsdestotrotz ist es so dass dies erst am ende der schuleingangsphase beziehungsweise nach drei Schuljahren gestellt werden sollte.
00:37:11: Ein großes Problem isst das aufgrund dessen für die Schuljahre, Eins und Zwei in NRW gar keine Sonderpädagogen vorgesehen sind.
00:37:20: Weil man ja davon ausgeht dass man sie gar nicht braucht weil es eben in Klasse eins zwei keine Förderkinder gibt.
00:37:26: offiziell auf dem Papier Das heißt im Umkehrschluss die Lehrkraft In den ersten zwei Schuljahren ist komplett auf sich alleine gestellt auch wenn es eventuell schon Kinder in der klasse gibt Die einen Förderbedarf haben Auch wenn dieser noch nicht offiziell festgestellt wurde.
00:37:41: das entspricht doch eigentlich komplett dem Denken Man doch gerade in den ersten zwei Schuljahren schon präventiv ganz viel schaffen kann.
00:37:49: Also wenn mir da schon nach den ersten Wochen auffällt, dass da Kinder sind die ganz krasse Defizite haben dann wäre es doch sinnvoll diese Kinder gefühlt an der Wurzel zu packen und zu fördern Und zu versuchen sie In den ersten Zwei Jahren soweit zu bringen.
00:38:03: das ist gar nicht erst so.
00:38:04: ein Förderantrag kommen muss aber Wenn das Personal dafür nicht da ist.
00:38:08: Ich verstehe glaube ich was ich meine.
00:38:09: Das ist doch einfach schon An der Basis gedachten kompletter Fehler im Denken.
00:38:14: Ich könnte mich jetzt hier wirklich in Rage reden, weil es zum Thema Inklusion glaube ich einfach so viel gibt was Schulintern abläuft.
00:38:25: Was aber überhaupt nicht nach außen dringt und das ist glaube auch ein ganz großes Problem.
00:38:31: da müsste ich vielleicht noch mal eine zweite Folge zu aufnehmen was es für Eltern bedeutet die sich im Endeffekt dafür entscheiden müssen soll mein Kind im gemeinsamen Lernen unterrichtet werden oder wäre es vielleicht doch besser in einer Förderschule aufgehoben?
00:38:46: Wahnsinnig schwieriges Thema würde jetzt aber den Rahmen dieser Folge sprengen.
00:38:50: Ich glaube, ich nehme tatsächlich irgendwann nochmal eine zweite Folge auf wo ich dann auch speziell darauf eingehe welche Rolle die Eltern überhaupt in diesem ganzen Prozess einnehmen.
00:38:59: Wenn es eine Erkenntnis aus dieser Folge gibt Dann vielleicht dass Inklusion kein Thema ist von dafür oder dagegen.
00:39:08: Es geht einfach um Menschen, es geht um Kinder und Chancen.
00:39:12: Es geht um Teilhabe und ein Recht auf Zugehörigkeit am gesellschaftlichen Leben.
00:39:20: Und ich glaube, dass gerade deswegen dieses Thema auch so emotional diskutiert ist.
00:39:26: Inklusion funktioniert nicht dadurch, dass sich ein Politiker hinstellt und sagt wir haben jetzt inklusion und fertig.
00:39:33: Es reicht nichts zu sagen Kinder werden einfach in Regelschulen gesteckt und dort werden sie aufbewahrt.
00:39:39: Inklusion braucht!
00:39:41: Ressourcen.
00:39:41: Wir brauchen Fachpersonal, wir brauchen Räume und Schulgebäude, die dafür ausgelegt sind, umgebaut werden.
00:39:48: Wir müssen Geld in die Hand nehmen, unter Lehrkräften eine gesunde Haltung gegenüber Inklusion, Offenheit oder Fortbildung.
00:39:57: Die Lehrer-Ausbildungen müssen anders strukturieren.
00:40:01: Ja!
00:40:02: Ich habe mitgezählt, das sind schon zehn Punkte, die Inklusion braucht, um vernünftig funktionieren zu können.
00:40:10: Und fast zwanzig Jahre nach der Verabschiedung dieser UN-Behindertenrechtskonvention stehen wir gefühlt immer noch am Anfang und es wird immer noch über Probleme diskutiert, die schon ganz am Anfang vor vielen, vielen Jahren aufgetaucht sind.
00:40:23: Die bis heute immer noch nicht angegangen wurden.
00:40:26: Und aus dem Grund zum Abschluss der Folge nochmal ganz deutlich gesagt – die meisten Lehrkräfte haben nichts gegen Inklusion im Gegenteil!
00:40:35: jeden Tag im Schulalltag erleben sie, wie bereichern Vielfalt auch sein kann und wie wichtig das ist.
00:40:41: Dass Kinder komplett unabhängig von ihren Voraussetzungen die Möglichkeit haben gemeinsam mit anderen Kindern zu lernen und Teil einer Gemeinschaft zu sein Und die meisten stehen auch wirklich mit Leib- und Seele- und Herzblut hinter dieser Idee.
00:40:57: Dennoch erlebt man im Schulalltag täglich diese Diskrepanz zwischen dem pädagogischen Anspruch, den man dann auch einfach hat und der schulischen Realität.
00:41:06: Also das Inklusion wie sie gut gelingen kann unter den jetzigen Bedingungen einfach nicht möglich ist und dass man keinem Kind gerecht wird.
00:41:16: Das Regelschulsystem ist wirklich absolut an der Belastungsgrenze Und davon auszugehen, dass Inklusion damit erledigt ist, dass man Kinder mit einem nachgewiesenen Förderbedarf in eine Regelschulklasse steckt und damit ist es gegeben.
00:41:32: Dem ist nicht so sondern Es muss einfach bewusst sein das wir andere Dinge brauchen als das was gerade läuft.
00:41:39: Und mit diesem Satz beende ich jetzt diese Folge und hoffe dass sich meine Gedanken ja zu diesem doch sehr emotional belastenden Thema auch für viele Betroffene natürlich Ja doch einigermaßen gut irgendwie auf den Punkt gebracht habe.
00:41:55: Ich kündige an dieser Stelle schon mal an, dass der Podcast in eine kleine Sommerpause gehen wird.
00:42:01: es wird jetzt noch ein oder zwei Folgen geben.
00:42:03: ich werde mal schauen und danach werde ich über die Zeit der Sommerferien euch ne kleine Pause gönnen und auch mir und einfach mal ein bisschen neue Kraft und neue Ideen sammeln um dann Richtung Herbst nach der Sommerferien wieder voll mit diesem Podcast durchzustarten und euch weiterhin auf dem Laufenden zu halten, was so im Schulsystem tatsächlich los ist.
00:42:27: Bis dahin wünsche ich euch eine schöne Zeit!
00:42:31: Ich würde mich freuen wenn wir uns in zwei Wochen wieder hören.
00:42:34: Alle die jetzt am Montag nach den Pfingstferien starten wünsche sich einen guten Schulstart und haltet die Ohren steif.
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